Luxus trotzt der krise: dubai shoppt weiter auf high-end-ebene

Während die Weltwirtschaft schwächelt und geopolitische Spannungen zunehmen, zeigt Dubai eine überraschende Resilienz – insbesondere im Luxussegment. Die jüngste Präsentation der neuen Kollektion von Chanel im Dubai Mall lockte Schlangen vor die Geschäfte, ein Spiegelbild der anhaltenden Nachfrage, die in anderen Fashion-Metropolen in den letzten Wochen ebenfalls zu beobachten war. Doch Dubai ist keineswegs eine gewöhnliche Modestadt.

Ein brennpunkt inmitten der konflikte

Die Stadt befindet sich im Epizentrum des Konflikts zwischen den USA, Israel und Iran, wobei Iran die Vereinigten Arabischen Emirate direkt ins Visier nimmt. Trotz dieser bedrohlichen Lage bewahrt Dubai seine Stabilität und seinen Ruf für einen luxuriösen Lebensstil. Der Nahe Osten hat sich als ein überraschendes Erfolgserlebnis für den Luxusmarkt herauskristallisiert. Die jüngste Studie von Bain & Altagamma prognostiziert für die Region ein Wachstum von 4 bis 6 Prozent im Jahr 2025, wobei Dubai die treibende Kraft sein wird. Natürlich wirft der aktuelle Konflikt Fragen nach der zukünftigen Entwicklung des Marktes auf – zu einem Zeitpunkt, an dem die Branche besonders aufmerksam sein muss.

Obwohl die Geschäfte weiterhin geöffnet sind, hat der drastische Rückgang des Tourismus zu ernsthaften Bedenken hinsichtlich der regionalen Perspektiven geführt. Doch vorerst scheinen lokale Konsumenten weiterhin das Bedürfnis nach Luxusgütern zu verspüren. Reema Ameer, eine langjährige Dubai-Bewohnerin mit libanesisch-syrischen und sri-lankischen Wurzeln, wartete an einem Sonntagmorgen über anderthalb Stunden auf den Zugang zum Chanel-Store. Auf ihrer Wunschliste standen zwei Teile der Ready-to-Wear-Kollektion – beide waren jedoch bis zum Erreichen des Geschäfts um 12 Uhr bereits ausverkauft. Auch die Handtaschenabteilung präsentierte ein nahezu leeres Bild. Für Ameer, selbst Modedesignerin, war dies ein deutliches Zeichen für die ungebrochene Lust am Luxus.

Die treibenden kräfte hinter der nachfrage

Die treibenden kräfte hinter der nachfrage

Historisch gesehen wurden die Nachfrage in Dubai zwei Faktoren angetrieben: eine hohe Konzentration von vermögenden Privatpersonen (HNWIs) und ein kosmopolitisches Publikum aus Emiratis, Arabern, Südasien, Europäern und Nordamerikanern. Der Tourismus, der nun nahezu zum Stillstand gekommen ist, spielte ebenfalls eine wichtige Rolle. Während einige Expats die Stadt verlassen haben, entscheiden sich viele Einwohner, insbesondere Emiratis, andere Araber und Südasien, zu bleiben und weiterhin zu konsumieren.

Dressing through disruption

Dressing through disruption

Luxusmarken sollten sich verstärkt auf die verbliebenen Einwohner konzentrieren, die sich trotz der Krise sicher fühlen und weiterhin einkaufen. Lama Jamal, eine in Dubai ansässige Libanesin und Gründerin von @DubaiStreetStyle mit fast einer halben Million Followern, erklärt: „Frauen hier lieben es, sich zu kleiden – es ist Teil unserer DNA. Viele Frauen in Dubai stammen aus Ländern wie Libanon, Syrien oder Iran, wo sie bereits unsichere Zeiten erlebt haben. Sie wissen daher, wie wichtig Rituale sind. Sich zu kleiden, hilft, sich normal zu fühlen.“

Jamal weist darauf hin, dass Großveranstaltungen zwar ausgesetzt sind, das soziale Leben jedoch nicht verschwunden ist, sondern lediglich angepasst wurde. Viele Einwohner verbringen Staycations in Hotels, die spezielle Pauschalangebote anbieten. Der persönliche Einkäufer und Stylist Vasil Bozhilov beobachtet bei seinen Klienten, vor allem aus der Emirati-Community, ein gesteigertes Bewusstsein für bewussten Konsum. „In Zeiten der Unsicherheit verschwindet die Mode nicht, sondern wird vielmehr bewusster eingesetzt.“

Investition statt konsum

Der Wegfall des Tourismus könnte langfristige Auswirkungen auf den Markt haben. Der Besucherandrang in der Dubai Mall und der Mall of the Emirates ist um rund 50 Prozent gesunken. Die Erholung wird voraussichtlich mehrere Monate dauern. Gleichzeitig zeigt sich eine klare Dichotomie im Kaufverhalten derer, die geblieben sind: „Aspirationsklienten werden in Krisenzeiten konservativer. Sie kaufen weniger impulsiv, denken mehr darüber nach und priorisieren.“ Das gilt nicht für den Ultra-High-Net-Worth-Segment. Hier bleibt das Konsumverhalten strukturiert und nicht emotional gesteuert – Aufträge werden in Auftrag gegeben und abgearbeitet.

Die Nachfrage nach Hermès- und Chanel-Taschen sowie Schmuck von Cartier, Tiffany und Bvlgari ist gestiegen und wird zunehmend als Wertanlage wahrgenommen.

Lokale zusammenarbeit für eine nachhaltige zukunft

Sharifa Alsharif Alhashemi, Emirati-Designerin und Gründerin der Modemarke Onori, betont die Bedeutung der Sensibilität für die aktuelle Stimmung: „Manche fühlen sich durch die Unsicherheit gelähmt. Jeder verarbeitet Dinge anders. Für manche bedeutet es, den Konsum einzuschränken, für andere, ihn zu steigern.“ Sie fügt hinzu, dass es noch zu früh sei, die langfristigen Auswirkungen vollständig zu beurteilen, wobei Faktoren wie die Wiedereröffnung der Schulen die allgemeine wirtschaftliche Aktivität beeinflussen werden. Eine stärkere regionale Zusammenarbeit, insbesondere durch die Zusammenarbeit mit lokalen Designern, sei essenziell. „Internationale Luxushäuser sollten regionale Silhouetten wie Abayas und Kaftans berücksichtigen.“

Am Ende bleibt festzuhalten: Dubai zeigt, dass Luxus nicht nur ein Statussymbol ist, sondern auch ein Ausdruck von Beständigkeit und Lebensfreude – selbst in stürmischen Zeiten. Die Zukunft des Luxusmarktes in Dubai wird davon abhängen, wie flexibel und anpassungsfähig die Unternehmen auf die veränderten Bedürfnisse und Wünsche der lokalen Konsumenten reagieren.