Turner – ein skurriles abschied, der die segel senkt
Ted Turner, der milliardäre Medienmogul, ist gestorben. Sein Erbe ist komplex, geprägt von revolutionärem Journalismus und unvergesslichen Eskapaden. Doch die Erinnerung an einen der sonderbarsten Momente seiner Karriere bleibt bestehen.
Ein rum-rudel und die america’s cup
Die Jubelstimmung nach dem Sieg der ‘Intrepid’ bei der America’s Cup 1977 in Newport war greifbar. Doch hinter den Kulissen herrschte eine Atmosphäre, die kaum zu beschreiben war. Die Crew der Sieger, ein berauschter Haufen von Seglern, verbrachte die Wartezeit mit unzähligen Flaschen Rum – ein Spektakel, das die Anwesenden bis heute nicht vergessen haben. Turner selbst, der unbestrittene Drahtseiler hinter dem Erfolg, tauchte unter den Tisch, um sich seine persönliche Vorratskammer zu füllen.
Es ist eine Anekdote, die das Bild eines Mannes zeichnet, der sich der Konvention widersetzte und für seine eigenen Regeln lebte. Ein Mann, der die Welt veränderte – und dabei offenbar auch die Grenzen des guten Geschmacks überschritt.

Ein titanischer charakter
Wie George Reedy über Lyndon Johnson schrieb: ‘Ein Bastard, aber ein colossal Bastard.’ Turner war ein ebenso widersprüchlicher Charakter. Er war der Mann, der die Welt mit CNN revolutionierte, doch auch der, der mit Atlanta Braves Millionen kostete. Er trieb es bis zum Äußersten, investierte in Landpreservation im Westen der USA und war ein leidenschaftlicher Sammler von Kunst. Seine Entscheidungen waren oft kontrovers, seine Persönlichkeit umstritten. Doch die Geschichte von der Rumflasche in Newport erzählt von einer Energie, von einem unbändigen Willen, der ihn zu einer Legende machte. Er verabschiedete sich mit einem letzten, skandalösen Knall – ein Vermächtnis, das ebenso fasziniert wie es verstört.
