Taylor Sheridans
Die neueste Staffel von „Lioness“ versetzt den Zuschauer in einen Strudel aus globaler Instabilität und technologischem Fortschritt. Taylor Sheridan, bekannt für seine düsteren Western-Serien, entführt uns in eine Welt, die mehr an Videospiele als an realistische Kriegsführung erinnert.
Wikiracing als Metapher für die Informationsbeschaffung
Die Serie beginnt, wie so oft bei Sheridan, mit einem klaustrophobischen Angriff – eine Texas-Politikerin wird von mexikanischen Kartellmitgliedern entführt. Parallel dazu entfaltet sich ein komplexes Netz aus iranischen Sabotageakten und dem heimlichen Beschaffungsprogramm chinesischer Wissenschaftler für den Nahen Osten. Die Zuschauer werden in einen Wettlauf gegen die Zeit gezogen, der an das Navigieren durch Wikipedia-Links erinnert – ein Konzept, das Sheridan offenbar als Analogie zu seiner Serie nutzte.

Technologie als Feind – und Verbündeter
Sheridan scheut sich offenbar, die Gefahren moderner Technologie zu thematisieren, wie es beispielsweise in Serien wie „The Madison“ oder „Yellowstone“ zu sehen ist. Stattdessen konzentriert sich die Serie auf die Konsequenzen von Drohneneinsatz und Überwachung – eine Entwicklung, die sich nach Ansicht der Protagonistin, Agentin Joe McNamara (gespielt von Zoe Saldaña), als deutlich nachteiliger erweist, selbst wenn die CIA diesbezüglich optimistisch ist. Die C4-Energy-Drinks und die killer-drones, die im Einsatz sind, verstärken diesen Eindruck.

Ein Datenskandal und ein Rückzug in die Vergangenheit
Die Staffel beginnt mit einer dramatischen Eskalation: Joe McNamara wird in ihrem Auto entführt und gerät in einen Datenleck, der die Identitäten aller CIA-Mitarbeiter preisgibt. Die Handlung springt dann zurück in den Vorbericht des Angriffs, bei dem die Agenten in der Ukraine gegen einen russischen Offizier kämpfen. Sergeant Major Cody Spears, ein Charakter aus der vorherigen Staffel, gibt die Anweisungen – „Bis wir den Zielpersonen im Griff haben, sind Sie die Mission“. Die Kämpfe werden von einem chaotischen Mix aus killer-drones, crotch-ripping-Hunden und unkontrolliertem Schussfeuer dominiert. Ein CIA-Officer kommentiert scherzhaft: „Dieser Ort ist wie Weltkrieg I und Star Wars, die sich getroffen haben.“
Ironische Rückschlüsse und ein düsteres Ende
Die Mission, den russischen Offizier zu fangen, gelingt mit einem überraschenden Erfolg. Doch die Rückkehr nach Hause wird von einem unerwarteten Polizeieinsatz überschattet. Die Serie schließt mit einem weiteren Entführungsversuch und einem Zeitsprung zurück in die Ereignisse vor dem Angriff. Sheridan’s Fähigkeit, die Handlung zu verdichten und die Zuschauer in einen Strudel aus Ereignissen zu ziehen, ist beeindruckend – und gleichzeitig beunruhigend. Die Pirámide invertierte Erzählweise sorgt für einen rasanten Spannungsbogen.
Ein Blick in die Zukunft
Die Hinweise auf eine digitale Kriegsführung in Staffel 3 deuten darauf hin, dass Sheridan neue Wege beschreitet. Ob seine Charaktere die Force spüren werden, bleibt abzuwarten – doch die Verbindung zu seinem kommenden Live-Action-„Call of Duty“-Film ist bereits erkennbar. Warfare wird zunehmend wie Videospiele aussehen. Taylor Sheridan selbst ist, wie immer, nur aus der Ferne zu sehen. Die Serie endet nicht mit einer Frage, sondern mit der Feststellung: „Lioness“ ist ein Wettlauf gegen die Zeit, der kaum Raum für Reflexion lässt – und das ist genau der Punkt.“n