Sevilla: tourguide gesteht sexuelle übergriffe – ein albtraum für junge reisende
Die spanische Tourismusbranche ist erschüttert: Manuel Blanco Vela, ein scheinbar vertrauenswürdiger Tourguide aus Sevilla, steht im Fokus eines beispiellosen Skandals. Ein neuer True-Crime-Dokumentarfilm von Netflix, „Der Räuber von Sevilla“, enthüllt die lange verschwiegene Geschichte von sexuellen Übergriffen und Missbrauch, die er über Jahre hinweg begangen haben soll. Eine mutige Überlebende, Gabrielle Vega, brach das Schweigen und brachte eine Welle von Vorwürfen hervor, die nun zu Verurteilungen führen.
Ein maskeradenball des vertrauens
Blanco Vela betrieb das Reiseunternehmen „Discover Excursions“, das vor allem junge Austauschstudenten aus den USA mit Ausflügen durch Spanien, Portugal und Marokko lockte. Er inszenierte sich als freundlicher und hilfsbereiter Begleiter, ein Image, das er gezielt nutzte, um sein Vertrauen zu gewinnen. Hinter der charmanten Fassade verbarg sich jedoch ein Täter, der seine Opfer – oft junge, unerfahrene Frauen – in Hotelzimmer lockte und sie dort sexuell missbrauchte. Die angebliche Affiliation mit Universitäten trug zusätzlich zur Glaubwürdigkeit bei.
Der Fall Gabrielle Vegas ist besonders erschütternd. Während eines Ausflugs nach Marokko soll Blanco Vela ihre Gruppe unter dem Vorwand der Sicherheit in das Hotel gelockt und ihnen Alkohol angeboten haben. Vega berichtet, dass sie anschließend bewusstlos wurde und sich erst später in einem Hotelzimmer wiederfand, in dem sie von Blanco Vela missbraucht wurde. Die Folgen waren traumatisch: PTSD, Suizidgedanken und der Abbruch ihres Studiums.

Ein muster der gewalt: zwischen 50 und 100 opfer
Die Vorwürfe gegen Blanco Vela häufen sich. Schätzungen zufolge sollen zwischen 50 und 100 Frauen Opfer seiner Übergriffe geworden sein, obwohl nur ein Bruchteil der Fälle strafrechtlich verfolgt wurde. Hayley McAleese und Carly Van Ostenbridge berichteten von ähnlichen Situationen in Portugal, wo Blanco Vela sie ebenfalls in sein Zimmer einlud und sexuelle Handlungen verlangte. Die Schwierigkeit, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen, lag oft in der komplexen Zuständigkeit zwischen den Ländern.
Ein weiterer tragischer Fall ist der Tod der 21-jährigen Lauren Bajorek, die 2015 von seinem Balkon stürzte. Ihr Tod wurde zwar nicht als Mord eingestuft, doch Blanco Vela wurde später zivilrechtlich für schadenshaft befunden. Die Umstände ihres Todes werfen weiterhin Fragen auf, insbesondere angesichts der weiteren Vorwürfe gegen ihn.
Was diesen Fall so besonders macht, ist die Hartnäckigkeit der Überlebenden, die sich online vernetzten und ihre Geschichten öffentlich machten. Erst durch den Mut von Frauen wie Gabrielle Vega und den investigativen Journalismus gelang es, die Fälle miteinander zu verknüpfen und die Aufmerksamkeit auf Blanco Velas Verbrechen zu lenken.

Die justiz holt auf: neun jahre haft
Nach jahrelanger Ungerechtigkeit wurde Manuel Blanco Vela im Januar 2025 vom spanischen Nationalgerichtshof schuldig befunden, drei amerikanische Studentinnen sexuell bedroht und missbraucht zu haben. Er wurde zu neun Jahren Haft verurteilt. „Ihr Mut und ihre Ausdauer haben nicht nur Gerechtigkeit gebracht, sondern auch unzähligen anderen Frauen geholfen, das gleiche schreckliche Trauma zu vermeiden“, erklärte Mark Eiglarsh, der Anwalt von Gabrielle Vega.
Der Fall Blanco Vela ist eine Mahnung: Vertrauen allein ist kein Schutz vor Tätern. Es ist entscheidend, dass junge Reisende wachsam bleiben, ihre Umgebung einschätzen und sich im Zweifelsfall Hilfe suchen. Die Geschichte von Sevilla zeigt, dass das Schweigen gebrochen werden kann und dass Gerechtigkeit möglich ist – auch wenn sie lange auf sich warten lässt. Die zahlreichen Überlebenden haben bewiesen, dass die Wahrheit ans Licht kommt und Täter zur Rechenschaft gezogen werden können, wenn Frauen ihre Stimmen erheben.
