Rocky horror revival: luke evans als außerirdischer verführer
New Yorks Theater District bebt – und das nicht nur wegen des üblichen Pre-Opening-Trubels. „The Rocky Horror Show“ feiert sein Comeback an der Studio 54, und diesmal ist es anders. Anders, weil es nicht nur eine Wiederbelebung ist, sondern eine Feier einer subversiven Kunstform, die seit Jahrzehnten Generationen von Außenseitern inspiriert.
Ein kult, der sich durch den regen kämpft
Wer in den frühen 90ern im Ohio-Theater saß, erinnert sich vielleicht an den Schock des Eintauchens in eine Welt ungebannter Sexualitäten und ungezähmter Kreativität. Ich war einer dieser Teenager, ungeschickt bewaffnet mit Reis und Toilettenpapier, während die Eingeweihten mit Wasserpistolen, Zeitungen und einem unerschütterlichen Sinn für das Absurde die Leinwand beherrschten. Das war mehr als ein Film; es war eine Initiation.

Von der bühne in die herzen
Die Geschichte ist bekannt: Richard O’Brien, ein ehemaliger Bühnenschauspieler, schuf 1973 „The Rocky Horror Show“, ein schillerndes Konglomerat aus Rock’n’Roll, Glam-Rock, Horror und Hollywood-Fantasien. Mit Tim Curry in der Hauptrolle wurde die Bühnenversion ein Phänomen, das sieben Jahre lang in London lief. Der Film, der 1975 in die Kinos kam, war zunächst ein Flop, fand aber durch die Mitternachtsaufführungen im Waverly Theater in Manhattan ein neues Leben – und damit eine treue Fangemeinde.

Luke evans übernimmt die regentschaft
Jetzt, 24 Jahre nach der letzten Broadway-Produktion, kehrt „Rocky Horror“ zurück, unter der Leitung von Sam Pinkleton, dem visionären Kopf hinter „Oh, Mary!“. Und in der Rolle des Frank-N-Furter? Luke Evans, der walisische Schauspieler, der uns als Bard the Bowman in „Der Hobbit“ und als Gaston in „Die Schöne und das Biest“ begeisterte. „Es ist lustig, wie es fast 30 Jahre gedauert hat, bis es wieder in mein Leben zurückgekehrt ist“, gesteht er.
Mehr als nur ein charakter
Pinkleton beschreibt Frank-N-Furter treffend als „das Hamlet des Musical-Theaters“ – eine Rolle, die sowohl Autorität als auch Verletzlichkeit erfordert. Evans versteht dies und betont die Vielschichtigkeit des Charakters: „Frank kann schillernd und feminin, verschlagen und verführerisch sein, aber es liegt auch eine Bedrohung in ihm.“ Diese Mischung aus Anziehung und Gefahr ist das, was Frank-N-Furter so fesselnd macht.
Eine generation feiert
Die Besetzung spiegelt die Vielfalt des Stücks wider. Juliette Lewis, die als Magenta eine rockige Energie einbringt, erinnert sich, wie ihr Bruder sie als Kind in eine Rocky-Horror-Show schmuggelte. Michaela Jaé Rodriguez, die Columbia spielt, wuchs mit dem Soundtrack auf. Harvey Guillén und Rachel Dratch, beide erfahrene Improvisatoren, stehen bereit für die Interaktionen mit dem Publikum – ein wesentlicher Bestandteil der Rocky-Horror-Erfahrung.
Keine nostalgie, sondern eine neuauslegung
Pinkleton hat keine Ambitionen, das Stück zu „reparieren“. Er möchte es annehmen, so wie es ist. „Es ist kein Musical von heute, und das ist auch gut so“, erklärt er. Die Messigkeit, die provokanten Inhalte und die veralteten Darstellungen von Zustimmung werden nicht beschönigt, sondern als Teil des historischen Kontextes anerkannt.
Der ruf nach selbstverwirklichung
Am Ende des Stücks tönt Frank-N-Furters Mantra „Don’t Dream It, Be It“ wie ein Befreiungsschlag. Eine Aufforderung, die Konventionen zu brechen und das eigene Ich zu leben. Und genau das macht „Rocky Horror“ so zeitlos: Es ist eine Hymne an die Individualität, an die Akzeptanz und an die unbändige Freude am Anderssein. Im Studio 54 wird diese Botschaft neu entfacht, und die Geister der Vergangenheit flüstern mit.
Die Vorstellungen sind bereits im Gange – und versprechen ein unvergessliches Erlebnis für alle, die bereit sind, sich der schillernden Welt von Frank-N-Furter hinzugeben.
