Genet-thriller im new yorker rampenlicht: influencer-madame und das geheimnis der hausmädchen
Jean Genet’s verstörende Tragödie „Die Dienerinnen“ hat Theatermacher seit über 80 Jahren in ihren Bann gezogen. Mit ihrer schonungslosen Auseinandersetzung mit Sex, Macht und Identität haben Produktionen mit Cate Blanchett, Isabelle Huppert und Elizabeth Debicki die Bühne hallen lassen – nun steht eine hochstylisierte Adaption von Kip Williams in Brooklyn im Fokus.
Ein moderner twist: die erbin wird influencerin
Williams‘ Drehbuch reimaginieren die Geschichte radikal. Madame, einst wohlhabende Erbin, hat sich in eine prominenteste Influencerin verwandelt – ein scharfes Karikaturbild von unverdientem Privileg. Claire und Solange, die Hausmädchen und persönlichen Assistentinnen, sind gleichzeitig die einzigen Bezugspunkte der Madame zur Außenwelt. Doch selbst in den verheerenden Auseinandersetzungen zwischen den Dienerinnen und ihrer Herrin verbirgt sich die größte Intrige: Die Regie scheint die Aufmerksamkeit des Publikums als das entscheidende Element zu nutzen, das die tragische Endsequenz auslöst. Ein scharfer Blick auf die Machtdynamik.
Marc Brenner fotografierte die intensive Probenphase. Die Zusammenarbeit mit Phia Saban und Yerin Ha verspricht eine packende Inszenierung. Besonders Ha, die die Rolle der Madame übernimmt, freut sich auf die Rückkehr in die Proberäume. „Ich habe das Gefühl, ich bin bereit, aber gleichzeitig hoffe ich, tiefer in die bereits erkundeten Facetten einzutauchen“, erklärt sie.

Von bridgerton zu hollywood – der aufstieg von yerin ha
Ha erlangte internationale Bekanntheit durch ihre Rolle in Netflix‘ „Bridgerton“, in der sie die Protagonistin Sophie Baek verkörperte. Nur wenige Wochen nach dem Abschluss der vierten Staffel wurde sie als 2026 Ambassador of the Actor Awards geehrt. „Ich fühle mich, als hätte ich mit dieser Rolle einen neuen Blick auf Madame gewonnen“, so Ha. „Es ist ein sehr moderner Ansatz, der Materialismus, die Obsession mit Jugend und Schönheit und ihre Rolle in unserer Gesellschaft thematisiert.“
Williams‘ Inszenierung ist voll von ironischen Anspielungen auf Follower-Zahlen, Designerlabels und die Aussicht auf eine prominente Magazine-Seite – alles Symbole von Reichtum und Status. „Irgendwann war es eine echte Offenbarung“, erinnert sich Wilson. „Ich habe das Drehbuch an einem Kaffeehaus-Tag gelesen und lachte laut. Oh mein Gott, die Kühnheit, es so modern neu zu gestalten!“

Ein dunkles spiegelbild der gesellschaft
„Die Dienerinnen“ bedient sich mit einem verstörenden, absurden Humor aller Beteiligten. „Wenn man Glück hat, bekommt man eine Produktion, die genügend Aufmerksamkeit erregt, um von der Presse bedacht zu werden, dann gibt es diese seltsame Diskrepanz zwischen der Präsentation einer ansprechenden Seite und der Möglichkeit, in der Arbeit die hässliche Seite zu erforschen“, sagt Saban, die in HBO‘ „House of the Dragon“ als Halaena Targaryen bekannt ist. Ha betont: „Kip färbt jeden einzelnen Wort. Alles hat eine Bedeutung und eine Absicht. Es war eine bemerkenswerte Entwicklung für mich als Person und als Künstlerin, und das auch in Zusammenarbeit mit ihm. Wir haben jetzt einen Punkt erreicht, an dem wir etwas wirklich Lustiges schaffen können, ohne etwas zu zensieren.“
Premiere im juni 2026
Die Aufführungen von „Die Dienerinnen“ beginnen am 17. Mai 2026 im St. Ann’s Warehouse in Brooklyn und laufen bis zum 14. Juni. Ein dramatisches Stück, das die dunklen Seiten der Gesellschaft und die zerstörerische Kraft von Macht und Eifersucht auf eindringliche Weise beleuchtet.
