Verfassungsänderung: ein nutzloses relikt?

Die Debatte um den 25. Zusatzartikel zur US-Verfassung flammt erneut auf – und bringt einen Präsidenten mit ungewöhnlichen Äußerungen und Drohungen über die Hormusstraße mit sich. Ist es an der Zeit, dieses vermeintliche Sicherheitsnetz abzuschaffen, oder birgt es unvorhergesehene Risiken?

Ein verstaubtes konstrukt im angesicht der realität

Ein verstaubtes konstrukt im angesicht der realität

Donald J. Trump, dessen Amtszeit von Kontroversen geprägt war, schürt mit seinen jüngsten Tweets die Verwirrung. Er droht Iran mit katastrophalen Folgen, sollte dieser die Hormusstraße öffnen, und kündigt gleichzeitig an, dass Dienstag ein „Kraftwerks- und Brückentag“ für das Land werden wird. Die Sprache ist alarmierend, die Drohungen unmissverständlich. Doch was hat das mit dem 25. Zusatzartikel zu tun? Dieser Artikel, der eigentlich dazu dienen soll, einen amtsunfähigen Präsidenten vorübergehend oder dauerhaft zu entfernen, erweist sich in der Praxis als ein bürokratisches Labyrinth, das selbst in dringenden Fällen kaum zu durchschreiten scheint.

Die theoretischen Möglichkeiten sind klar: Entweder erklärt der Präsident selbst seine Unfähigkeit, oder der Vizepräsident und ein Großteil des Kabinetts reichen einen entsprechenden Antrag ein. Doch wer, so die bittere Frage, würde in der heutigen politischen Landschaft den Mut dazu aufbringen? Ein Kabinett, das anscheinend ausschließlich aus Marionetten besteht, oder ein Kongress, der sich entweder in lähmender Passivität verliert oder von Parteipolitik blind gemacht wird? Die Wahrscheinlichkeit, dass der Artikel jemals seinen Zweck erfüllen könnte, grenzt gegen Null.

Die komplizierte Mechanik des Zusatzartikels macht die Sache nicht besser. Ein Hin und Her von Schreiben, die Bestätigung durch den Kongress, die Möglichkeit für den Präsidenten, seine Entscheidung rückgängig zu machen – all das verschlingt wertvolle Zeit und bietet Raum für Manipulation. Es ist ein Mechanismus, der in einer Krise eher die Verwirrung als die Lösung fördert.

Die aktuelle Situation, in der ein Präsident öffentlichkeitswirksam mit Drohungen und wirren Aussagen das Land destabilisiert, zeigt auf drastische Weise die Schwäche des Systems auf. Der 25. Zusatzartikel ist nicht dazu da, ein Instrument politischer Auseinandersetzung zu sein, aber genau das ist er geworden. Er ist ein nutzloses Stück Pergament, das mehr Schaden anrichtet als Nutzen.

Es ist an der Zeit, die Illusionen abzulegen und die Verfassung anzupassen. Der 25. Zusatzartikel sollte abgeschafft werden, nicht etwa weil er in sich fehlerhaft wäre, sondern weil er in der Realität seiner Anwendung völlig versagt. Stattdessen sollte man sich auf eine klare und unmissverständliche Amtsenthebung konzentrieren, die in Krisenzeiten schnell und effektiv greifen kann. Denn die Sicherheit der Demokratie darf nicht an komplizierten Verfahren und politischen Spielchen scheitern.