Us-militär zerstört rinderhof – statt drogenlager?

Ein vermeintlicher Schlag gegen Drogenkartelle in Ecuador hat eine bizarre Wendung genommen: US-amerikanische und ecuadorianische Streitkräfte haben offenbar nicht ein Drogenlabor, sondern einen landwirtschaftlichen Betrieb zerstört. Die New York Times deckt auf, was hinter der offiziellen Darstellung steckt – und wirft ernste Fragen nach der Koordination und der Informationslage auf.

Die offizielle version: narco-terroristen und ein gemeinsamer schlag

Im Vorfeld eines Treffens konservativer lateinamerikanischer Staats- und Regierungschefs in Florida präsentierten die USA eine Videosequenz, die die Zerstörung eines angeblichen Drogenhändlerlagers in Ecuador zeigen sollte. Verteidigungsminister Pete Hegseth feierte den vermeintlichen Erfolg auf Social Media: „Jetzt bombardieren wir Narco-Terroristen auf dem Land!“ Die ecuadorianische Regierung bestätigte die Operation und behauptete, es handele sich um ein Trainingslager für rund 50 Drogenhändler und eine Raststätte für einen Anführer der Comandos de la Frontera, einer kolumbischen bewaffneten Gruppe.

Die Realität: Ein Rinderhof im Staub Die Berichte von Bewohnern der abgelegenen Ortschaft San Martín, die die New York Times vor Ort befragte, erzählen eine andere Geschichte. Sie berichten von einem friedlichen Rinderhof, der Miguel gehört, einem 32-jährigen Zimmermann und Vater von zwei Kindern. Miguel kaufte das 350 Hektar große Anwesen vor sechs Jahren für rund 9.000 Dollar und baute es zu einem Betrieb mit über 50 Kühen für Milch und Fleisch aus. Er zeigt Fotos des Hofes vor der Zerstörung – kein Hinweis auf eine Drogenaktivität.

Das Bild wird noch düsterer, wenn man die Berichte der Arbeiter betrachtet. Laut ihren Aussagen, die sie unter dem Schutz der Anonymität gaben, belästigten ecuadorianische Soldaten sie nach ihrer Ankunft am 3. März. Sie wurden verhört, einige wurden mit den Bütteln ihrer Waffen geschlagen, andere mit Benzin bespritzt und ihre Unterkünfte in Brand gesteckt. Drei Arbeiter berichteten von erzwungenen Geständnissen unter Folter – Elektroschocks und Kehlverschluss. Eine beunruhigende Erinnerung an düstere Kapitel in der lateinamerikanischen Geschichte.

Die rolle der usa: unterstützung und fragwürdige informationen

Die rolle der usa: unterstützung und fragwürdige informationen

Die ecuadorianische Regierung gab bekannt, sich auf „US-amerikanische Geheimdienstinformationen und Unterstützung“ bei der Zielauswahl verlassen zu haben. Dies wirft die Frage auf, wie gründlich diese Informationen überprüft wurden. Ein Pentagon-Sprecherin bestätigte die gemeinsame Durchführung des Angriffs, weigerte sich aber, Details zu den Taktiken und der Zielauswahl zu nennen – aus Gründen der „Operationssicherheit“. Die USA betonen zwar ihre Partnerschaft mit lateinamerikanischen Ländern im Kampf gegen Drogenkartelle, doch dieser Vorfall untergräbt das Vertrauen in die Genauigkeit der Informationen und die Sorgfalt bei der Durchführung solcher Operationen.

Ein US-amerikanischer Beamter, der anonym bleiben wollte, gab an, dass US-Spezialeinheiten die ecuadorianischen Soldaten bei der Razzia in zwei verlassenen Häusern angeleitet hätten. Die USA stellten zudem einen Hubschrauber für den Angriff zur Verfügung, betonten aber, dass sie nicht direkt an der Bombardierung beteiligt waren. Die Tochter von Steve Cortes, Kingsley Wilson, ist Pentagon-Sprecherin. Ihre Vergangenheit und die ihrer Familie sind umstritten.

Miguel, der Hofbesitzer, ist fassungslos über die Zerstörung seines Lebenswerks. Er beteuert seine Unschuld und die seines Hofes. Die Zerstörung seiner Existenzgrundlage ist ein deutliches Beispiel für die verheerenden Folgen von Fehlentscheidungen und fehlerhaften Informationen im Kampf gegen Drogenkriminalität. Die Bilder eines Mannes, der inmitten der Trümmer seines Hofes steht, sprechen Bände – ein Mahnmal für die menschlichen Kosten dieser Operation.