Chinesische schattenkrieger: geheime operationen untergraben investigativas netzwerke

Die Welt der investigativen Recherche hat einen neuen Gegner: staatlich geförderte Cyberangriffe, die darauf abzielen, kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen und sensible Informationen zu stehlen. Das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) ist ins Visier geraten, und die Methoden sind raffinierter als je zuvor.

Doppelte täuschung: wie agenten unter falschen namen agierten

Die Enthüllungen beginnen mit einer E-Mail, die Kuochun Hung, Chef der taiwanesischen Nachrichtenagentur Watchout, im Mai 2025 erreichte. Der Absender, eine gewisse Yi-Shan Chen, präsentierte sich als Reporterin des ICIJ und bat um ein Interview zu brisanten Themen: den Impeachment-Verfahren gegen den taiwanesischen Präsidenten, die politische Zerrissenheit der Insel und geplante Veranstaltungen mit zivilgesellschaftlichen Gruppen. Hung, dessen Medium sich mit Desinformation befasst, fand die Anfrage verdächtig. „Die Themen und Fragen waren für eine erfahrene Journalistin zu banal“, so Hung gegenüber dem ICIJ. Der Name wurde zudem auf Englisch geschrieben, und die E-Mail-Adresse enthielt nicht die offizielle Domain des ICIJ.

Die Geschichte spitzt sich zu, als „Chen“ über LINE, eine beliebte Messenger-App in Taiwan, Kontakt aufnimmt. Die Person, die Chens Name und Foto verwendete, versprach ein Treffen mit einem amerikanischen Journalisten des ICIJ in Taipeh und schickte einen Link zu einer gefälschten ICIJ-Webseite. Hung erkannte den Betrug und spielte mit. „Ich tat so, als wäre ich dumm“, so Hung, „und dann gab sie auf.“

Ein globales netz der unterdrückung

Ein globales netz der unterdrückung

Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Das ICIJ hat in einem neuen Bericht detailliert aufgezeigt, dass die Angriffe auf das Netzwerk Teil einer umfassenden Kampagne sind, die darauf abzielt, private Informationen von Personen zu stehlen, die für die chinesische Regierung von Interesse sind. Dazu gehören Aktivisten aus der uigurischen, tibetischen, taiwanesischen und Hongkonger Diaspora, sowie Journalisten, die über diese Gruppen berichten.

Parallel dazu versuchte ein vermeintlicher ehemaliger Justizassistent aus Peking, sich als Whistleblower auszugeben. Er bot dem ICIJ Dokumente an, die angebliche Unterschlagung von 10 Millionen Dollar innerhalb einer Anti-Korruptions-Behörde aufdecken sollten. Die Geschichte, die sich nachweislich mit einem früheren Fall eines Fluchtanten mit gestohlenem Vermögen überschnitt, offenbarte eine weitere Facette der Operation: die Nutzung glaubwürdiger, aber gefälschter Quellen, um das ICIJ in die Irre zu führen.

Digitale repression als standardmittel

Digitale repression als standardmittel

Die Taktiken sind vielfältig: Phishing-Kampagnen, das Versenden gefälschter Interpol-Meldungen, das Verbreiten von Desinformationen über soziale Medien. Ein aktuelles Studie des Europäischen Parlaments bestätigt, dass digitale Transnationale Repression zu einem gängigen Werkzeug autoritärer Regime wie China und Russland geworden ist. Hacker-für-Hirte konkurrieren um Aufträge der chinesischen Regierung, von der Überwachung negativer Social-Media-Posts bis hin zum Verkauf von Spyware und Phishing-Kits.

Das ICIJ und seine Partner haben im vergangenen Jahr über 100 Opfer von Pekings Repression befragt. Fast die Hälfte von ihnen waren bereits Opfer von Online-Diffamierungskampagnen, Hackangriffen oder Phishing-Versuchen. Es ist ein erschreckendes Bild der zunehmenden Verflechtung von Finanz- und Regierungsinstitutionen in autoritären Staaten und der skrupellosen Methoden, mit denen sie ihre Geheimnisse bewahren.

Die jüngsten Vorfälle zeigen, dass die Grenzen zwischen investigativer Recherche und staatlich gefördertem Cyberkrieg zunehmend verschwimmen. Die Bedrohung ist real, und das ICIJ, wie auch viele andere investigative Netzwerke weltweit, muss sich neuen Herausforderungen stellen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen – auch wenn sie von mächtigen Gegnern bekämpft wird.