Pitti uomo: die generation x und baby boomer sind der neue luxus-schlüssel

Die Männerwelt von Pitti Uomo in Florenz hat eine Entdeckung gemacht: Die Generationen X und Baby Boomer sind der neue Schlüssel zum Luxusgeschäft. Schluss mit der blinden Jagd auf junge Influencer und Trends.

Ein überraschender trend im herrenmode-business

Ein überraschender trend im herrenmode-business

Die Fokusverschiebung ist drastisch: Während Marken in den letzten Jahren alles daran gesetzt haben, junge Konsumenten mit Influencern, Kollaborationen und Social-Media-Kampagnen zu gewinnen, scheint sich die Aufmerksamkeit nun langsam wieder auf die älteren Generationen zu verlagern. Die Daten sprechen eine deutliche Sprache: Generation X und Baby Boomer geben weltweit mehr aus als viele vermuten.

Die Beobachtung auf der Pitti Uomo Trade Fair, wo sich eine schicke Truppe aus Mode-Influencern, Markenleitern, Käufern und Journalisten versammelt hatte – und dabei auffallend viele Männer im Alter von 40 bis 60 Jahren waren – unterstreicht diese Entwicklung. Diese ‘Pitti-Pärchen’ sind nicht nur Teil des Marktes, sie sind der entscheidende Faktor für zukünftige Umsätze.

Kantar-Experte Bia Bezamat mahnt: «Die Mode optimiert oft für die Aufmerksamkeit von Gen Z, nicht unbedingt für langfristigen Wert oder Loyalität. Doch Generation X und Baby Boomer machen bereits mehr als ein Viertel der globalen Ausgaben aus. Es gibt einen deutlichen Widerspruch zwischen dem, worauf die Marken ihren Fokus richten, und wo die tatsächliche Kaufkraft liegt.»

Die ältere Konsumentengruppe ist zudem loyaler, entscheidungsfreudiger und weniger anfällig für kurzlebige Trends. Luxusmarken wie Brunello Cucinelli, Zegna und Loro Piana haben dies bereits erkannt und setzen auf intergenerationelle Kampagnen, die diese Zielgruppe ansprechen. Mads Mikkelsen als Markenbotschafter bei Zegna ist ein klares Zeichen dafür.

Doch viele andere Premium-Labels ignorieren diesen Trend. Wo dort einst der Fokus auf Millennial und Gen Z lag, herrscht nun eine Diskrepanz. Nick Wooster, ein langjähriger Beobachter der Streetstyle-Szene, kritisiert: «Die Leute, die die Produkte kaufen, sind nicht die, die diese Marken bewerben.»

Der Fokus sollte sich also ändern. Shoppen mit Intention, wie Hirofumi Kurino, Co-Founder von United Arrows, betont. Der ältere Kunde legt Wert auf Qualität, Handwerkskunst, Exklusivität und Markenheritage. Die Erfahrung ist wichtiger als der Trend. «Sie sind weniger an kurzfristigen Trends interessiert, sondern an der Gestaltung ihres Kleiderschranks mit Klarheit und Sicherheit», erklärt Joo Woo von Saks Fifth Avenue und Neiman Marcus.

Die ältere Generation bevorzugt auch den persönlichen Einkaufserlebnis und die Expertise von Fachverkäufern. Ein aufmerksames Auge, eine individuelle Betreuung und ein Händedruck, der Vertrauen schafft – das ist, was diese Kunden suchen. Saman Amel und Harrods setzen auf diese Strategie, um die Kundenbindung zu stärken. Die Zahlen belegen es: Die ‘Silver Spenders’ – wohlhabende Konsumenten über 50 – sind ein enormes Wachstumspotenzial für die Luxusbranche.

Während Social Media für die Trendsetter wichtig ist, sind ältere Männer weniger von kurzlebigen Hypes beeinflusst. Sie suchen nach zeitlosen Stücken, die ihren persönlichen Stil widerspiegeln. Ein klassischer Blazer, kombiniert mit ungewöhnlichen Elementen, wie es Nick Wooster empfiehlt, kann ein ganzes Outfit aufwerten. Die ‘fundamental Pillar’ des Herrenmode-Geschäfts von Harrods sind diese klassischen, aber einzigartigen Stücke.

Die Schlussfolgerung ist klar: Marken, die die Kraft der älteren Konsumentengruppe erkennen und respektieren, werden langfristig erfolgreich sein. Die Pitti Uomo Trade Fair hat gezeigt, dass die Zukunft des Luxus in der Wertschätzung von Tradition, Qualität und persönlicher Betreuung liegt – und nicht in der blinden Verfolgung von Trends.