Midwest: vom vorort-laden zum trendsetter – ein japanisches modephänomen feiert 50 jahre
Nagoya, 1976: Ein unscheinbarer Laden im Vorort. Heute ist Midwest ein Synonym für exklusive Mode und eine Ikone der japanischen Select-Shop-Szene. Anlässlich des 50. Jubiläums wirft der Erfolgskurs des Familienunternehmens einen Blick zurück und zeigt, wie ein scharfes Auge für Trends und eine unerschütterliche Loyalität zu Designern ein Modeimperium schufen.
Die bescheidenen anfänge und die vision des gründers
Masaru Osawa, der Gründer, legte den Grundstein für den Erfolg. Er betrieb das Geschäft von 10 bis 22 Uhr, sieben Tage die Woche, ohne Pause, und schuf so eine einzigartige Atmosphäre, in der Modebegeisterte zusammenkamen, diskutierten und einkauften. Sein Sohn, Takenori Osawa, der heute als CEO das Ruder übernimmt, erinnert sich: „Manchmal schlief ich unter den Kleiderstangen, während mein Vater mit den Kunden sprach.“ Diese frühen Jahre prägten die Philosophie von Midwest: eine enge Verbindung zu den Kunden und eine Leidenschaft für außergewöhnliche Mode.

Ein gespür für trends und die förderung junger talente
Was unterscheidet Midwest von anderen Multi-Brand-Stores? Ein unerschütterliches Bekenntnis zu Designern – sowohl etablierten als auch aufstrebenden. Schon in den 90er Jahren setzte Midwest frühzeitig auf belgische Labels wie Maison Margiela und Raf Simons, lange bevor diese international bekannt wurden. „Midwest war besonders wichtig für die Entwicklung meiner Marke“, bestätigt Kris Van Assche. Heute präsentiert der Laden rund 100 Labels, darunter auch lokale Größen wie Van Jacket, und unterstützt aktiv junge japanische Designer.

Die strategie gegen den touristen-boom
Während viele Luxusretailer in Japan auf den Boom chinesischer Touristen reagierten, verfolgte Midwest eine andere Strategie. „Wir werben nicht für Touristen und haben daher die Schwierigkeiten einiger unserer Konkurrenten vermieden“, erklärt Takenori Osawa. 65% der Umsätze werden von heimischen Kunden generiert, was dem Unternehmen eine finanzielle Stabilität verleiht und es ermöglicht, weiterhin in Designer und Innovation zu investieren. Die direkte Kontrolle über das Grundstück in Tokio spielt hierbei eine entscheidende Rolle.
Mehr als nur ein geschäft: eine community
Midwest ist mehr als nur ein Geschäft – es ist ein Treffpunkt für Modebegeisterte und ein Förderer der japanischen Designszene. Regelmäßige Pop-up-Events, Talkshows und die legendäre Weihnachtsparty, bei der Takenori Osawa selbst als Santa Claus auftritt, bringen Designer, Kunden und Branchenexperten zusammen. „Es ist selten, so viele Designer aus verschiedenen Hintergründen an einem Ort zu sehen“, lobt Viviano Sue, dessen Label seit 2023 bei Midwest geführt wird.
Die zukunft von midwest: ein blick nach vorn
Mit Blick auf die Zukunft plant Midwest die Erweiterung der Geschäfte in Nagoya, Osaka und Tokio. Ein neuer Schuhladen in Nagoya, verbunden mit einem Event-Space, soll 2024 eröffnet werden. Ein besonderer Fokus liegt auf der Förderung junger Talente: Ein Teil der Erlöse aus dem 50-jährigen Jubiläum wird an die Japan Fashion Week gespendet, um zukünftige Designer zu unterstützen. Die Zahlen sprechen für sich: Midwest verzeichnete in den letzten Jahren ein jährliches Umsatzwachstum von 10 bis 20 Prozent. Die Leidenschaft für Mode und die unerschütterliche Unterstützung von Designern werden auch in Zukunft der Schlüssel zum Erfolg von Midwest sein.
