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Emma Copley Eisenberg denkt seit jeher darüber nach, wie ihre Figuren Raum einnehmen – sei es in „The Third Rainbow Girl“ von 2020, „Housemates“ von 2024 oder ihrem neuesten Buch, „Fat Swim“. Dabei erweist sich die Autorin als äußerst präzise und lebendig in ihren Verknüpftgeschichten, die sich hauptsächlich in und um Philadelphia abspielen.
Ein blick hinter die kulissen: inspirationen und kontroversen
Anlässlich der Veröffentlichung von „Fat Swim“ sprach Vogue Eisenberg über ihre musischen Vorbilder – Miranda July, Raymond Carver und Bryan Washington. Auch eine Auseinandersetzung mit Jonathan Franzen, die Vermietung einer riesigen Videowand zur Bewerbung ihres Buches und vieles mehr waren Teil des Gesprächs.
Eisenberg beschreibt, wie sie sich über einen Zeitraum von 2014 bis 2026 intensiv mit dem Thema Körperlichkeit auseinandergesetzt hat. Das Resultat ist eine Sammlung von Geschichten, die sich deutlich von ihrem ursprünglich geplanten Debütroman, „The Third Rainbow Girl“, unterscheidet. Die Entscheidung, „Housemates“ zuerst zu veröffentlichen, wurde durch Marktsignale beeinflusst – ein strategischer Schachzug, der sich als enormer Vorteil erwies, da er einen entscheidenden Prozess der Selbstfindung ermöglichte.

Die schatten der figuren – und ein überraschendes geständnis
Die Frage nach ihren Lieblingsautoren im Bereich der Kurzprosa: Neben Paley, ist Carver eine besondere Zutat. „Where I’m Calling From“ ist eine Sammlung von Geschichten, die eine beklemmende Atmosphäre von Sucht und Einsamkeit erzeugt. Besonders beeindruckend ist Carvers Geschichte „Fat“ – die Erzählung einer Kellnerin, die mit dem Blick eines gnadenlosen Kunden konfrontiert wird. Diese Begegnung führt sie zu einer eigenen Transformation. Bryan Washingtons Sammlungen, insbesondere „Lot by Bryan Washington“, sind für Eisenberg von großer Bedeutung, da sie die komplexe Geografie von Houston einfangen.

Ein zynischer akt der rebellion
Ein Kapitel widmet Eisenberg Jonathan Franzen. Ihre Kritik an seinem Roman „Crossroads“ ist scharf: Die Art und Weise, wie Marion – die Hauptfigur – eingeführt wird, sei unerträglich. „The overweight person who was Marion“ – ein Zitat, das ihren Unmut ausgelöst hat. Eisenberg beschloss, eine Marion zu erschaffen, die den Leser von allen Seiten sehen möchte – eine fette, sinnliche Figur. Diese Entscheidung, inspiriert von einem obskuren YouTuber, der seine Fische filmt, führte zur Geschichte „Beauty“ – eine Protagonistin, die die Beauty-Branche verlässt und sich in die Wildnis zurückzieht, um verwirrende Videos hochzuladen. Franzen habe ihr also indirekt geholfen, so Eisenberg.
Die kunst der wiederholung – und ein ungewöhnliches marketing
Die wiederkehrenden Charaktere in ihren Geschichten sind alle im selben Viertel beheimatet. Sie tauchen in verschiedenen Geschichten wieder auf, werden aber von unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Eisenberg beschreibt, wie sie sich von Büchern wie „Die Verurteilten“ inspirieren ließ, bei denen die Figuren miteinander verbunden sind. „Swiffer Girl“ bezieht sich beispielsweise auf Alice, die in „Fat Swim“ vorkommt – eine subtile Andeutung, die das Netzwerk der Charaktere verdeutlicht. Die Vermietung einer Videowand in Philadelphia war ein mutiger Schritt. Eisenberg wollte eine Gegenbewegung zu den omnipräsenten GLP-1-Werbungen und den mir nichts erklärenden Ratschlägen des Körpers setzen. Sie suchte nach einem statischen, unvoreingenommenen Blickwinkel, der den Menschen nicht in ein Algorithmus-gesteuertes Raster drängt. Die Entscheidung, einen solchen Werbeplakat zu finanzieren, war ein bewusster Akt der Selbstvermarktung - und eine Investition in die eigene künstlerische Entwicklung.
„Der Bauch ist etwas, das man besser nicht verlieren sollte.“ – Ein provokanter Slogan, der die Aufmerksamkeit auf das Buch lenkte. Die Suche nach diesem statischen, unvoreingenommenen Blickwinkel führte sie zu Jenny Holzer und Félix González-Torres – Künstlerinnen, die öffentliche Kunst als Mittel zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung einsetzen.
