Nolan schneidet aus: die odyssee – ein film voller enttäuschungen
Christopher Nolans epische Neufassung der Odyssee schlug ein Finanzfeuer da – 264 Millionen Dollar in der Eröffnungswoche weltweit. Doch hinter der beeindruckenden Zahl verbirgt sich eine enttäuschende Wahrheit: Der Film, gedreht mit ausschließlich IMAX-Kameras, lässt entscheidende Elemente der klassischen Erzählung aus.
Verpasste highlights: von sexuellen begegnungen bis zu tod – nolans odyssee ist nicht die ganze geschichte
Während der Film treu an Homers Originalschema hält, indem Odysseus (Matt Damon) und seine Mannschaft sich durch unzählige Hindernisse kämpfen, wurden zahlreiche Szenen gekürzt. Ein besonders trauriges Beispiel ist die Begegnung mit dem Zentauren-König Polyphem, der in der Poesie – und dem Publikum – eine Schlüsselrolle spielt. Nolans Entscheidung, diesen wichtigen Moment auszulassen, wurde selbst vom Kritiker Jon Stewart auf dem The Daily Show bemängelt: „Es ist ein Witz. Puns in Translation are tough. I tried. It was not possible to work in it,“ erklärte der Regisseur.

Laestrygonen und unterwelt: forgotten details of homer’s epic
Auch die Laestrygonen, die gigantischen Kannibalen aus Homers Werk, fehlen im Film. Sie wurden durch Cybermen-ähnliche Kreaturen ersetzt – eine unschöne, wenn auch logische, Vereinfachung, die die Komplexität des Originals untergräbt. Ebenso wurde die Reise nach Hades, in der Odysseus seine tote Mutter Antikleia trifft und Begegnungen mit anderen mythologischen Gestalten wie Achilles und Herkules hat, stark reduziert. Diese Szene hätte dem Film eine zusätzliche Dimension verliehen, die jedoch geopfert wurde, um die Handlung voranzutreiben.

Sexuelle beziehungen, tod und verrat: die wichtigsten cut-szenen
Der Film lässt zahlreiche Elemente der Originalgeschichte aus, darunter intensive sexuelle Beziehungen zwischen Odysseus und seinen Gefährten, zahlreiche Todesfälle und die Verratsszenen, in denen Telemach und Melantho ihre Loyalität wechseln. Diese Elemente, die den Film mit einer dunklen, menschlichen Note versehen hätten, wurden gestrichen. Die 12 Handmaidinnen, die sich mit den Gästen im Palast unternahmen, werden ebenfalls ausgelassen. Stattdessen wird Melantho, die Penelope betrügt, als Symbol für diese Frauen dargestellt – eine willkürliche Entscheidung, die die Tiefe der Geschichte verringert.
Ein witz, der nicht funktioniert
Nolans Bemühungen, den Witz des Namens „Nobody“ – Polyphem ruft Odysseus „Nobody“ – im Film zu integrieren, scheiterten kläglich. Der Regisseur gestand, dass der Witz in der Übersetzung nicht funktioniert und nicht in den Film integriert werden konnte. Ein trauriges Beispiel dafür, wie subtile Elemente der Poesie, die für ein Publikum, das mit dem Original vertraut ist, von unschätzbarem Wert sind, im Filmformat verloren gehen können. Die Odyssee ist im Kino und IMAX zu sehen.
