Mailer gräbt monroe aus – eine verstörende anatomie des ruhms
Norman Mailer entfesselt in seinem neuen Biografiefestival eine scharfe, zynische Analyse des Lebens und des Schicksals Marilyn Monroe. Das Buch, eine schwere, glänzende Monografie, ist nicht nur eine Sammlung von Fotos, sondern ein provokanter, oft schmerzhaft ehrlicher Einblick in eine der enigmatischsten Figuren des 20. Jahrhunderts.
Ein blick hinter die fassade der göttin
Mailer, bekannt für seine provokanten, oft exzentrischen Arbeiten, greift hier mit brutaler Ehrlichkeit in die Vergangenheit ein. Seine prose ist zwar dicht, aber auch überladen, ein Spiegelbild seiner unbändigen Neigung zu theatralischen, manchmal übertriebenen Darstellungen. Die Auseinandersetzung mit Monroe ist dabei nicht nur eine literarische Leistung, sondern auch ein personales Kampf gegen die eigene Vergangenheit und die Faszination des Ruhms.

Ein fragment aus der vergangenheit
Die Erinnerung an Monroe, wie sie von Jean Stafford in Mailers Buch wiedergegeben wird, ist schockierend: eine unauffällige, fast unscheinbare Frau, die in einem Westport-Haus für ein Wassersport-Training gebracht wurde. Stafford beschreibt sie als „eine slawische Kellnerin, die ihren Tag vom LKW-Fahrer-Diner hatte“. Eine Kontrast zur erhofften, glamourösen Erscheinung, die die Öffentlichkeit erwartete.

Die gefahr der fakten – mailers kritik
Mailer selbst ist kein unkritischer Chronist. Er zerpflückt andere Biografien, insbesondere Maurice Zolotows, und wirft ihnen vor, von überbetonten Anekdoten und unzuverlässiger Prosa überladen zu sein. Er sieht in ihnen nicht die Fakten, sondern “Factoids” – Erzeugnisse, die Emotionen manipulieren, ohne Substanz zu haben. Diese Kritik ist nicht nur auf Zolotow beschränkt, Mailer erstreckt sie auf das gesamte Genre der Boulevardbiografien.
Ein blick auf die dunklen seiten
Doch Mailer geht noch weiter. Er spekuliert über Monroyes Leben, über mögliche Affären, über die Rolle der Medien und die dunklen Geheimnisse, die sich hinter der glitzernden Fassade verbargen. Seine Auseinandersetzung mit Monroe ist somit auch eine Auseinandersetzung mit den dunklen Seiten des amerikanischen Traums – mit der Verblendung, dem Wahnsinn und der Selbstzerstörung.
Ein unvollständiges bild
Ob Mailer tatsächlich ein vollständiges Bild von Monroe gezeichnet hat, ist fraglich. Seine Interpretation ist stark von seiner eigenen Perspektive und seinen Vorurteilen geprägt. Dennoch bleibt sein Buch ein faszinierendes und beunruhigendes Porträt einer Frau, die zu einem Mythos wurde – und dessen Auflösung Mailer mit scharfem Blick und schmerzhafter Ehrlichkeit dokumentiert.
