Zahnburst auf dem laufsteg: mintgrün erobert die mode!
Vergessen Sie Pistazien, Tomaten und Buttergelb – die Modewelt hat einen neuen, erfrischenden Favoriten gefunden: Minze. Nach Jahren von farblich definierten Trends bahnt sich nun eine Welle kühler, pastellgrüner Töne ihren Weg, die an Zahnpasta erinnern, aber trotzdem unglaublich schick sind. Ein neuer Look, der aufmerksamkeiten erregt.
Von hollywood-glamour bis zur avantgarde
Schauspielerin Sarah Pidgeon beschrieb ihr frostiges, pailettengewebtes Kleid von Matthieu Blazy’s Métiers d’art 2026 Kollektion auf dem Oscars-Wochenende schlichtweg als „super schicke Zahnpasta“. Und sie ist nicht allein: Dua Lipa begeisterte mit einem floralen blaugrünen Roberto Cavalli-Kleid, kombiniert mit passenden minzigen Stiefeln. Es scheint, dass die Modedesigner endlich den perfekten Ton getroffen haben.
Bereits auf den Frühjahr/Sommer 2025 Laufstegen ersetzte Minzgrün Blush Pink als den angesagten Pastellton. Bei Fendi schwebten gauzige Organzadressen, während Chanel mintfarbene Tweed-Anzüge und eisblaue Umhänge präsentierte, die im Kontrast zu den botanischen Grüntönen des Grand Palais standen. Johanna Parv, eine estnische Designerin, integrierte die Farbe in ihre sportlichen Silhouetten und Fabrics, wobei sie Schönheit und Funktionalität vereinte.
Die Trendwende: Auch für den Herbst/Winter 2025 wagten Pastelltöne den Sprung in die traditionell opulenten Winterpaletten, wie man bei Givenchy und Stella McCartney beobachten konnte, wo Minzgrün in strukturierte Silhouetten eingearbeitet und mit Brauntönen kombiniert wurde. Für 2026 verschmilzt Minze nun mit Jadegrün, Moosfarben und weiteren, minimalen botanischen Tönen zu einer breiteren Bewegung organischer Grüntöne.
Kühle Blautöne gesellen sich hinzu: Simone Rocha präsentierte auf ihrer Debütanten-Frühjahr 2026 Kollektion frostblaue Chiffon-Kreationen mit floralen und Perlenakzenten, während Dior den Farbton in architektonischen Bubble-Kleidern bewunderte und die ladylike Silhouette betonte.

Chanel: die meister der zahnpasta-ästhetik
Besonders kreativ wurde Chanel, das den Zahnpasta-Tube-Look aufgriff und ihn mit mintfarbenen Pumps und taschenähnlichen Accessoires interpretierte. Die Farbe durchzuckte offene Häkelröcke, Makramee-Gürtel, Bouclé-Kleider und Tweed-Blazer und wirkte neben einem Farbenspiel aus Rot, Pink, Gold und Grau besonders frisch und verspielt.
„Ich liebe diese frische Farbgebung, die dank Blazy ein Comeback erlebt“, kommentierte die Stilredakteurin Alice Betts. „Die kleine Chanel Tote Bag steht ganz oben auf meiner Wunschliste, sie verleiht jedem Outfit einen perfekten Farbakzent, der wie eine dringend benötigte spielerische Abwechslung wirkt.“
Auch unabhängige Designer sind von dem Trend begeistert. „Jazz [Mignone], unsere Creative Director, ist eine Farb-Obsessive“, erklärt Hattie Tennant, Gründerin der Londoner Intimates- und Clothing-Marke Fruity Booty. „Wir sagen immer, dass sie kleine Beziehungen zu verschiedenen Farbtönen eingeht. Sie hat sich dieses Mal richtig in Minze verliebt, und da sich der Designzyklus etwas verzögert hat, kam sie genau dann heraus, wenn wir sie brauchten.“
Brooke Callahan, die für ihre farbenfrohen Baumwollhosen und -röcke bekannt ist, arbeitete eigens mit der Londoner Marke Hai an einer Limited-Edition-Kapselkollektion, die Callahans Designs in Hai’s Dupion-Seide neu interpretiert – darunter ein kühles Blau. „Seide gab mir die Möglichkeit, zu experimentieren, da der Stoff etwas edler ist. Das richtige Blau kann so einladend sein – etwas, das man berühren oder in dem man schwimmen möchte.“
Lucila Safdie, bekannt für ihre von Internet-Stars geliebten Alice Bands, setzte Minzgrün bereits in ihren Kollektionen ein, die oft an Sofia Coppolas Ästhetik erinnern und mit Farbtönen wie Weintraube, Himbeere und Pastellgelb kombiniert wurden. Hier fügt die Farbe eine gewisse Leichtigkeit und einen humorvollen Unterton hinzu.
Für Fidan Novruzova, eine Paris-basierte moldawische Designerin, diente der Polish Art Deco-Ikone Tamara de Lempicka als Inspiration. Ihre „Auto-Porträts“ und die markanten Farbpaletten prägten die Kollektion und definieren moderne Weiblichkeit durch strukturierte Hemden und Hybrid-Sportswear. Ein langärmeliges Mintgrün-Shirt in Kombination mit einem beigen Rock und ihren charakteristischen Stiefeln zeugt von Selbstbewusstsein.
Die Rückkehr von Romantik und Verspieltheit lässt den „Clean Girl“-Trend allmählich verblassen. „Zahnpasta-Dressing“, sei es ein kompletter Minzgrün-Look oder nur ein süßer Akzent, spiegelt unseren Wunsch nach mehr Storytelling in der Mode wider. Auch wenn es anfangs einschüchternd wirken mag, zeigt die Laufstegsaison seine überraschende Vielseitigkeit – sowohl bei neutralen Farben als auch bei kräftigen Tönen.
