Wintour, streep und gerwig: ein gespräch über macht, mode und das erbe von miranda priestly

In einem luxuriösen Suite des Crosby Street Hotels in New York City trafen zwei Ikonen der Popkultur aufeinander: Anna Wintour, die unbestrittene Machtfrau der Mode, und Meryl Streep, die Grande Dame der Schauspielkunst. Anlass war ein exklusives Gespräch, das die Frage aufwarf, wie eine neue Generation die Figur der Miranda Priestly aus „Der Teufel trägt Prada“ interpretieren wird – ein Film, der vor zwanzig Jahren das Mode- und Filmgeschäft nachhaltig prägte. Greta Gerwig, Regisseurin von „Little Women“ und bekennende Fan des Franchises, übernahm die Rolle des Moderators, während ich als chronistisches Observatorium fungierte.

Die macht der kleidung: mehr als nur stoff und stile

Das Gespräch eröffnete mit einer Beobachtung, die so simpel wie tiefgründig ist: „Ich mag Kleider“, sagte Meryl Streep, „sie verbergen alle Sünden, die darunter liegen.“ Anna Wintour ergänzte: „Und sie lassen sich leicht anprobieren.“ Doch schnell wurde klar, dass es um mehr ging als nur um Ästhetik. Die Diskussion driftete ab zum Thema Macht und wie Frauen sie durch Kleidung ausdrücken – oder eben nicht. Wintour betonte, dass ein Power-Anzug keineswegs notwendig sei, verwies auf Michelle Obamas Stilbewusstsein und hob die New Yorker First Lady hervor, die „cool und modern“ sei, „und sich selbst sei.“

Streep lieferte eine pointierte Antwort, die die gesellschaftliche Doppelmoral entlarvt: „Ich denke, die stärkste Botschaft unserer derzeitigen First Lady war der Mantel mit der Aufschrift ‚I Really Don’t Care, Do U?‘“, erinnerte sie an den provokanten Auftritt vor migrantischen Kindern. Sie argumentierte, dass Frauen in Machtpositionen oft gezwungen seien, ihre Arme zu entblößen, während Männer in Anzügen und Krawatten auftreten. Diese vermeintliche „Entblößung“ diene als eine Art Entschuldigung, ein Versuch, nicht bedrohlich zu wirken.

Die legacy von miranda priestly: ein spiegelbild der zeiten

Die legacy von miranda priestly: ein spiegelbild der zeiten

Greta Gerwig lenkte das Gespräch auf die Figur der Miranda Priestly und ihre Bedeutung im Kontext des Films. „Die Frage, wie man sich präsentiert, ist genau das, worum es in ‚Der Teufel trägt Prada‘ geht“, erklärte sie. Streep stimmte zu und erinnerte daran, dass die Darstellung von Frauen in Machtpositionen früher weniger bedrohlich war, da sie nicht als ernsthafte Konkurrenten wahrgenommen wurden. „Es war wie ein Verkleidungsspiel“, sagte sie.

Doch dieses Bild hat sich gewandelt. Streep betonte, dass sie sich bei der Interpretation der Figur in der Fortsetzung auf die „Geschäftswelt“ konzentriert habe, die „das Gewicht vieler Menschen“ trägt. „Ich habe mich gefragt, wohin diese Institutionen gehen werden, wenn alles auseinanderfällt“, fügte sie hinzu. Wintour ergänzte, dass die Modeindustrie zwar im Wandel ist, aber keineswegs „disintegriert“. Vielmehr habe sie sich erweitert und erreiche nun ein viel größeres Publikum.

Die Rolle der Erfahrung: Ein Vorteil im Geschäft

Gerwig fragte die beiden Frauen, wie es sich anfühlt, mit 76 Jahren in einer schnelllebigen Branche zu arbeiten. „Ich mag mein Alter“, antwortete Wintour,„ich fühle mich lebendig und interessiert wie nie zuvor.“ Sie betonte die Bedeutung von Erfahrung und die Fähigkeit, „die Balance zu finden und zu wissen, wann man aufgeben muss.“ Streep stimmte zu und erinnerte daran, dass man „immer neue Wasser durchbrechen“ und „die Wellen brechen“ müsse. „Wir sind noch nicht fertig“, fügte sie hinzu.

Die Diskussion spiegelte die Entwicklung der Mode wider: „Früher wurde Mode als elitär angesehen“, erklärte Wintour, „heute ist sie so viel demokratischer und hat einen enormen Einfluss auf die Kultur.“ Sie nannte Beispiele wie Zara, die John Galliano als Kreativpartner eingestellt hat, oder Gap, das Zac Posen engagiert hat. Die Landschaft hat sich grundlegend verändert.

Das Gespräch endete mit einem Nachdenken über das Erbe der Figuren und die Bedeutung des Weitergebens von Wissen und Erfahrung. Wintour räumte ein, dass sie sich geehrt fühlt, von Meryl Streep gespielt zu werden, und betonte die Bedeutung von Familie und Tradition. Streep unterstrich die Notwendigkeit, „immer neue Wasser durchzubrechen“ und „die Wellen zu brechen“ – eine Aufforderung, die weit über die Mode- und Filmwelt hinausreicht.

Die Frage, ob Karl Lagerfeld jemals einen Nachfolger finden würde, der seine Langlebigkeit und seinen Einfluss erreichen könnte, wurde mit einem entschiedenen „Ja“ beantwortet. Matthieu Blazy, der aktuelle Kreativdirektor von Chanel, wurde als vielversprechend eingeschätzt, der das Potenzial besitzt, eine ebenso legendäre Karriere zu führen. Am Ende blieb die Erkenntnis, dass wahre Stärke nicht in der Kleidung liegt, sondern in der Fähigkeit, sich selbst treu zu bleiben und die Herausforderungen des Lebens anzunehmen – ein Vermächtnis, das Miranda Priestly, Anna Wintour und Meryl Streep gleichermaßen widerspiegelt.

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