„The comeback“: valerie cherish kehrt – und spottet hollywood

Drei Jahre sind vergangen, seit 2023, und die Welt hat sich verändert – zumindest scheint es so. Doch für uns, die wir auf die Rückkehr von Lisa Kudrows und Michael Patrick Kings brillant-zynischem Meisterwerk „The comeback“ gewartet haben, ist es, als würde die Zeit stillstehen. Valerie Cherish, die Königin des verunglückten Comebacks, ist zurück, und sie ist so schrill, so selbstbezogen und so verblüffend treffend wie eh und je.

Ein blick in den spiegel der unterhaltungsindustrie

Ein blick in den spiegel der unterhaltungsindustrie

Die erste Episode der dritten (und vermutlich letzten?) Staffel ist ein brutaler, aber auch zutiefst amüsanter Blick in die Abgründe Hollywoods. Valerie Cherish, gespielt von einer atemberaubenden Lisa Kudrow, befindet sich in Chicago, wo sie auf der Bühne steht, während sie gleichzeitig einen Podcast namens „Cherish the Time“ betreibt. Es ist eine bizarre Kombination aus Ehrgeiz und Verzweiflung, die den Kern von „The comeback“ ausmacht: die unerbittliche Suche nach Relevanz in einer Branche, die schnell vergisst.

Was sofort ins Auge fällt: Valerie Cherish hat immer noch diesen verstörenden, aber unwiderstehlichen Grinsen im Gesicht. Sie ist eine tragische Figur, eine Künstlerin, die von ihrem eigenen Ego gefressen wird, aber genau das macht sie so faszinierend. Die Referenzen zur aktuellen Lage – die WGA/SAG-Streiks, die allgegenwärtige Pandemie – wirken organisch und unterstreichen die zeitlose Relevanz der Serie.

Ein besonders amüsantes Detail ist Valerie's Reaktion auf die Tatsache, dass Menschen im Jahr 2026 gerade mal 23 Jahre alt sind. „Ich bin dafür angewidert“, murmelt sie, und man kann förmlich spüren, wie sie sich in ihrer eigenen Welt der verblassten Stars und verpassten Gelegenheiten sonnt. Der Running Gag mit Mark, dem ehemaligen Lover und heutigen Pickleball-Enthusiasten, sorgt für weitere Lacher, während die Szene, in der Valerie sich der Streikenden anschließt, weil sie aus dem Theater geflogen ist, eine makabre Parodie auf die Solidarität in Hollywood darstellt.

Die Serie skatet gefährlich nah an der Grenze zwischen Satire und Realität. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass „The Comeback“ Hollywood mit einer Präzision entblößt, die in der Regel nur in den dunklen Ecken der Branche zu hören ist. Die wiederkehrenden Charaktere, wie Jane und Mickey (dessen tragischer Tod durch COVID die Serie um einen Hauch von Melancholie bereichert), sind ebenso liebenswert wie verstörend.

Die Verwendung von KI-generierten Drehbüchern für eine Sitcom innerhalb der Serie ist ein besonders ironischer Kommentar zur aktuellen Technologiedebatte. Valerie Cherish, die selbsternannte Anti-KI-Kriegerin, die allerdings aus reinem Narzissmus handelt, verkörpert die Widersprüche Hollywoods auf den Punkt.

Und dann ist da noch die Musik. Die Verwendung von „We Both Reached For The Gun“ aus „Chicago“ ist ein Geniestreich, ebenso wie das Abschneiden von Christine Baranskis Solo – eine unverschämte, aber perfekt passende Entscheidung.

„The Comeback“ ist keine Serie für jedermann. Sie ist zynisch, provokant und oft unangenehm. Aber gerade deshalb ist sie so wertvoll. Sie ist ein Spiegelbild unserer eigenen Obsessionen, unserer eigenen Sehnsüchte und unserer eigenen Ängste.