Nostalgie auf hoher see: emma straubs neuer roman entführt in die 90er
Die bittersüße Sehnsucht nach vergangenen Zeiten, die unwiderstehliche Anziehungskraft der Boybands – Emma Straub fängt in ihrem neuen Roman „American Fantasy“ eine Stimmung ein, die viele von uns kennt. Die Autorin und Inhaberin eines Buchladens in Brooklyn hat sich auf eine ungewöhnliche Reise begeben, die nicht nur literarisch, sondern auch persönlich wurde.
Ein cruise-abenteuer als recherche
Straub, bekannt für ihre erzählerische Wärme und ihren scharfen Beobachtungssinn, verfasste „American Fantasy“ unter dem Einfluss einer Kindheitserinnerung: ihrer obsessiven Liebe zu den New Kids on the Block. Nach dem Verlust ihres Vaters und dem Schreiben eines melancholischen Buches suchte sie nach einem Kontrast, einer Ausbruchsader. Und so fand sie sich, ganz unvermittelt, auf einer Cruise mit ihrer Jugendlieblingsband wieder. „Ich war nicht daran interessiert, wahrgenommen zu werden oder mich um jemanden zu kümmern. Ich wollte einfach in den Hintergrund verschwinden und beobachten“, so Straub in einem Gespräch mit Vogue.
Die Cruise diente nicht nur als Recherche, sondern offenbar auch als therapeutische Erfahrung. Straub nutzte die Gelegenheit, ihre Charaktere auf dem schwankenden Deck zu beobachten und ihre Interaktionen zu imaginieren. Ohne diese direkte Erfahrung, so räumt sie ein, wäre das Buch in einer deutlich schwächeren Form entstanden.

Warum boyband-nostalgie so stark wirkt
Die Frage, warum die Musik und das Image von Boybands auch Jahrzehnte später noch so viele Menschen berühren, ist ebenso einfach wie komplex. „Was war deine Boyband?“, fragt Straub rhetorisch. Die Antwort ist oft Backstreet Boys, *NSYNC oder eben die New Kids on the Block. Es geht darum, dass die Gefühle, die wir in unserer Jugend empfinden, eine tiefe und bleibende Wirkung haben. Es sind die unbeschwerten Momente, die ersten Liebeskummer, die unvergesslichen Konzerte – all das prägt uns und bleibt in unserem Gedächtnis verankert.
Straub selbst erinnert sich daran, wie sie als Kind nie die Chance hatte, die New Kids on the Block live zu sehen. Diese unerfüllte Sehnsucht trug möglicherweise zur Intensität ihrer Fankultur bei. „Vielleicht war meine tiefe Verehrung auch dadurch verstärkt, dass ich sie nie live gesehen habe“, mutmaßt sie.
Die Balance zwischen Schreiben und Buchladen Straub jongliert mit zwei Leidenschaften: dem Schreiben und dem Betreiben ihres Buchladens „Books Are Magic“. Dank eines großartigen Teams und der Unterstützung ihres Mannes gelingt es ihr, beide Verantwortlichkeiten zu vereinen. Nur die ständigen Gespräche über die New Kids on the Block hatten es ihrer Familie angetan.
Die Veröffentlichung von „American Fantasy“ wird von einer charmanten Einfachheit begleitet: ein kostenloser Croissant und Matcha im Coffee Shop gegenüber ihrem Buchladen. Eine Feier, die dem Geist des Buches selbst entspricht – warmherzig, ehrlich und voller nostalgischer Sehnsucht.
