Nostalgie auf hoher see: emma straub über boybands und das erwachsenwerden
Ein New-Kids-on-the-Block-Cruise als literarische Inspiration? Für Emma Straub war es der Schlüssel zu ihrem neuen Roman „American Fantasy“. Die Autorin und Inhaberin eines Brooklyn-Buchladens tauchte ein in die Welt der Fankultur, um eine Geschichte über Sehnsucht, Verlust und das Erwachsenwerden zu schreiben – mit einem Augenzwinkern und einer überraschenden Portion Tiefgang.
Die bittersüße melodie der kindheit
„American Fantasy“ ist mehr als nur eine Hommage an Boybands der 90er Jahre. Es ist eine Erkundung der Macht der Nostalgie, des Fandoms und der Suche nach Identität. Straub, die selbst eine begeisterte Anhängerin von New Kids on the Block war, beschreibt, wie der unerwartete Tod ihres Vaters sie dazu veranlasste, nach einer Ablenkung zu suchen. „Ich war jeden Tag am Weinen und wollte etwas völlig anderes schreiben“, erzählt sie in einem Interview mit Vogue. Und so fand sie sich auf einer Kreuzfahrt wieder, umgeben von jubelnden Fans ihrer Jugendhelden.
Die Idee, die Geschichte mit einem Boyband-Motiv zu erzählen, kam ihr wie ein Geschenk. „Ich glaube, wir alle wollen doch mit unserer Lieblingsband auf See sein“, scherzt sie. Doch hinter der humorvollen Prämisse verbirgt sich eine tiefere Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Kindheitserinnerungen und der Art, wie sie uns prägen.

Alleine auf see, um zu beobachten
Was viele überraschen mag: Straub reiste auf die Kreuzfahrt ganz alleine. „Ich war nicht daran interessiert, wahrgenommen zu werden und mich um jemanden kümmern zu müssen“, erklärt sie. Sie wollte unbemerkt bleiben, in den Hintergrund verschwinden und die Szenerie auf sich wirken lassen. Diese Distanz ermöglichte es ihr, die Dynamiken zwischen den Fans und die Atmosphäre an Bord genau zu beobachten und in ihren Roman einfließen zu lassen. „Ich glaube, ich hätte den Roman auch ohne die Kreuzfahrt schreiben können, aber er wäre eine weitaus schlechtere Version gewesen.“
Die Frage, warum Boyband-Nostalgie so viele Menschen anspricht, beantwortet Straub mit einem Augenzwinkern: „Was war denn deine Boyband?“ Doch ihre Antwort geht tiefer. Sie betont, dass die Dinge, die wir in unserer Kindheit und Jugend lieben, eine tiefgreifende Wirkung auf uns haben. Ob Boybands, Pferde, Laura Ingalls Wilder oder Harry Potter – es sind diese Erinnerungen, die uns verbinden und uns ein Gefühl von Geborgenheit geben.
Während sie an dem Roman arbeitete, balancierte Straub ihre Schreibarbeit mit den Verpflichtungen ihres Buchladens „Books Are Magic“. Dank eines großartigen Teams konnte sie sich voll und ganz auf ihr Projekt konzentrieren. „Mein Mann hat den Laden geleitet, während ich über New Kids on the Block philosophiert habe. Meine Familie hatte es leid, ständig davon zu hören.“
Letztendlich zeigt „American Fantasy“ die Vielschichtigkeit des Erwachsenwerdens, die Bedeutung von Gemeinschaft und die Kraft der Nostalgie. Straub hat es geschafft, eine Geschichte zu erzählen, die sowohl unterhaltsam als auch berührend ist – und das mit einem Augenzwinkern und einer Prise Boyband-Fieber.
