Modenschau als kunst? die größten performances der laufstege
Die Grenzen zwischen Mode und Performance verschwimmen zunehmend. Was einst als reine Präsentation von Kleidern galt, hat sich zu einem Spektakel entwickelt, das Künstler und Publikum gleichermaßen in seinen Bann zieht. Doch kann Mode überhaupt Kunst sein? Zahlreiche Designer haben diese Frage mit provokanten und unvergesslichen Shows beantwortet – und die Laufstege in wahre Bühnen verwandelt.
Der lotto-wahnsinn von sunnei
Die Spring/Summer-Kollektion 2026 von Sunnei, präsentiert in Partnerschaft mit Christie's, war mehr als nur eine Modenschau – sie war eine Satire. Anstelle von üblichen Goodie Bags wurden den Gästen Lotterielose ausgehändigt, die imaginäre Währungen versprachen. Das kulminierte in einer fingierten Auktion und der überraschenden Ankündigung der Designer Loris Messina und Simone Rizzo, das Label zu verlassen. Ein scharfer Kommentar zur Vergänglichkeit von Ruhm und dem Wert künstlerischer Leistung. Die Parallelen zu Imitation of Christ's Auktions-Show im Jahr 2002 sind dabei bezeichnend.

Maison margiela: ein melancholisches finale
John Gallianos letzte Kollektion für Maison Margiela, die Spring/Summer-Kouture 2024, war ein Ereignis von historischer Bedeutung. Die Show selbst war eher subtil, doch die surreale Atmosphäre, geschaffen durch Pat McGraths Porzellangesichter und Leon Dames eindringlichen Gang unter der Pont d’Alexandre III, wirkte tief bewegend und unvergesslich. Ein melancholisches Abschied und ein testamentarisches Vermächtnis.

Avavav: müll und torten
Beate Karlssons Marke Avavav ist bekannt für ihre provokanten Stunts, und die Fall/Winter-Kollektion 2024 machte keine Ausnahme. Plantagen-Schauspieler sammelten Müll vom Set und warfen ihn auf die Models – eine bizarre Mischung aus Verurteilung und mittelalterlichem Raubtierverhalten. Der krönende Abschluss: Karlsson selbst wurde mit einer Torte beworfen. Der Slogan? “The internet is the future.”
Coperni: die spray-on-revolution
Das Spray-on-Kleid von Coperni für die Spring/Summer-Kollektion 2023 war ein Wendepunkt. Bella Hadid wurde live auf der Bühne mit einem speziellen Material besprüht, um ein Kleidungsstück zu formen. Die Debatte entbrannte: Ist ein solches Spektakel mehr wert als die Kleidung selbst? Und kann Mode überhaupt Kunst sein, wenn sie so schnell und unkonventionell entsteht?
Chanel: lagerfelds supermarkt-träumerei
Karl Lagerfeld war ein Meister der Inszenierung. Seine Shows waren immer ein Fest für die Sinne, von Raketenstarts bis zu riesigen Gletschern. Besonders einprägsam war die Fall/Winter-Kollektion 2014, als er den Grand Palais in einen nahezu funktionsfähigen Supermarkt verwandelte, komplett mit Preiserhöhungen. Nach der letzten Verbeugung stürmten die Gäste die Gänge, um die Sets zu plündern – ein ikonischer Akt der Mode-Manie.
Yohji yamamoto: kleiderwechsel in echtzeit
Yohji Yamamoto versteht es wie wenige, subtile Kunst zu schaffen. Seine Spring/Summer-Show 1999 demonstrierte dies auf elegante Weise. Modelle tauschten Kleidung direkt vor den Augen des Publikums. Ein Moment, der in die Modegeschichte einging, als Carolyn Bessette Kennedy später ein Kleid trug, das einst auf dem Laufsteg gezeigt worden war.
Die Laufstege sind längst mehr als nur Orte, um Kleider zu präsentieren. Sie sind Bühnen für Kunst, Performance und gesellschaftliche Kommentare.
