Mary bennet: die unerwartete rebellin des bbc-adaptions
Die Brecken Beacons, ein stickiges Sommerwetter – kaum jemand ahnt, dass hier gerade die Geschichte einer völlig neuen Jane Bennet-Figur entsteht. Mary, die oft vernachlässigte Schwester aus AUSTENS Klassiker, steht im Zentrum einer BBC- und BritBox-Adaption, die ihre Rolle radikal umdreht.

Von der bibliotheksnuss zur ungezähmten frau
Wohin führt Marys Suche nach Selbstbestimmung? Die Serie, mit Ella Bruccoleri als Mary, entführt uns auf eine Reise von der angestaubten Hausangestellten bis hin zur eigenständigen Governess in London. Doch Mary ist keine passive Beobachterin. Sie ist scharfsinnig, verbittert und besitzt einen unbändigen Willen, sich den Erwartungen ihrer Familie und der Gesellschaft zu entziehen.
«Arm und hübsch ist das Schicksal genug», zynisch eröffnet Mary die erste Episode. «Aber mittellos und unansehnlich ist ein schweres Los.» Diese Worte spiegeln ihren inneren Kampf wider: Sie will nicht nur überleben, sondern ein Leben aufbauen, das über die Konventionen ihrer Zeit hinausgeht. Die Serie legt offen, wie sie sich in einer Welt behaupten kann, die sie instrumentalisiert.
Die Produktionskulisse in Wales bietet eine beeindruckende Kulisse. Die malerischen Hügel und Täler der Black Mountains ersetzen Windermere und Scafell Pike – ein cleverer Schachzug, um die Handlung voranzutreiben. Doch auch hinter den Kulissen herrscht eine lebhafte Atmosphäre: Die Schauspielerinnen tauschen Kopfhörer aus, während Indira Varma, als Marys elegante Tante, sonnengeküsst am Seeufer entspannt. Ein Zeichen für die intensive Zusammenarbeit und den Spaß, den die Crew hat.
Doch auch die Herausforderungen sind spürbar. Laurie Davidson, der Mr. Ryder verkörpert, kämpfte mit seiner neopreneartigen Kostümierung, die sich als “massiver Fehler” erwies. Die Crew feierte den Erfolg der Dreharbeiten mit gemeinsamen Dinnerpartys und musikalischen Sessions – ein Beweis für die menschliche Seite hinter der Produktion.
Die Kostüme, entworfen von Siân Jenkins, sind ein entscheidendes Element der Geschichte. Marys Farbpalette entwickelt sich von gedämpften Grautönen zu kräftigen Grün- und Rottönen – ein Spiegelbild ihrer persönlichen Entwicklung und ihres wachsenden Selbstbewusstseins. Ein kleines Detail: Ein Pinaboure aus den 1995er “Pride & Prejudice”-Verfilmungen dient als Easter Egg.
Mit über zwei Monaten Vorbereitungszeit, inklusive Klavier- und Kalligrafieunterricht für Bruccoleri, ist Marys Charakterentwicklung bis ins kleinste Detail durchdacht.
Die Serie ist mehr als nur eine Adaption eines Klassikers. Sie ist eine Hommage an Frauen, die sich gegen die Erwartungen ihrer Zeit auflehnen, und eine Aufforderung, sich selbst treu zu bleiben – selbst wenn es bedeutet, anders zu sein als alle anderen.
Mary Bennet: Die ungezähmte Protagonistin, die zeigt, dass wahre Stärke in der Authentizität liegt. Ein triumphaler Sieg für die weibliche Figur und eine erfrischende Alternative im zeitgenössischen Periodendrama.
