Laufsteg-illusion: inklusivität als marketing-trick?
Die Modewelt inszeniert Inklusivität – doch die Zahlen lügen. Während Balenciaga und Givenchy vereinzelt kurvige Models präsentierten, bleibt die wahre Diversität auf dem Laufsteg eine Illusion. Ein Blick hinter die Kulissen enthüllt eine Branche, die mit Lippenbekenntnissen die Realität ihrer Konsumenten ignoriert.
Die statistik ist unerbittlich
Von 7.817 präsentierten Looks in den internationalen Modewochen für Herbst/Winter 2026 entfielen lediglich 0,3 % auf Plus-Size-Modelle (US 14+). Ein jäher Rückgang gegenüber dem Vorjahr, als dieser Anteil noch bei 0,9 % lag. Mid-Size-Modelle machten 2,1 % aus, ein Wert, der sich seit drei Jahren kaum verändert hat. Der überwältigende Großteil – 97,6 % – trug Straight-Size-Kleidung (US 0-4). Diese Zahlen sind alarmierend und widersprechen dem vermeintlichen Trend zur Inklusivität.
Das Fazit ist niederschmetternd: Während die Modeindustrie vage von Veränderung spricht, bleibt die Realität erschreckend gleich. Die wenigsten Marken wagen den Schritt, wirklich vielfältige Körperbilder zu präsentieren, selbst wenn Influencer wie Remi Bader mit ihrer authentischen Darstellung Körperakzeptanz fördern.

Die verantwortung liegt bei den designern
Casting Director Chloe Rosolek verdeutlicht: „Der Mangel an Inklusivität kommt von den Marken selbst. Es gibt genügend kurvige Models, die bereit sind, zu laufen.“ Doch die Entscheidungsmacht liegt, so betont Tiffany Hsu, Chief Buying Officer bei Mytheresa, bei den Marken und ihren verfügbaren Größenbereichen im Großhandel. Die Diskrepanz zwischen dem, was auf dem Laufsteg gezeigt wird, und dem, was tatsächlich erhältlich ist, ist offensichtlich.

Ein teurer marketing-gag?
Eine Vogue Business Umfrage unter fast 700 Konsumenten ergab, dass 48 % sich unter Druck fühlen, abzunehmen, um modisch zu sein. 63 % dieser Personen sehen die Herausforderungen bei der Größenfindung als Hauptursache. Besonders in Luxusmarken ist die Situation dramatisch: 27 % der Plus-Size-Befragten können ihre Größe „niemals“ oder „meistens nicht“ finden.
Christian Siriano, der in New York Dritter wurde, bringt es auf den Punkt: „Man kann diverse Körper auf dem Laufsteg feiern, aber nicht die Kleidung dafür herstellen. Das ergibt keinen Sinn.“ Die Inklusivität muss sich in der Produktion widerspiegeln – andernfalls bleibt es ein bloßer Marketing-Trick.
Die verbraucher sind nicht dumm
Influencerin Remi Bader beobachtet enttäuscht, wie einige Marken ihre Inklusivitätsbemühungen einstellen. „Es ist frustrierend zu sehen, wie Marken, die zuvor loyal waren, plötzlich die Größenvielfalt einschränken.“ Das Publikum ist schlau genug, um die Fassade zu durchschauen.
Ester Manas, ein Label, das sich der Inklusivität verschrieben hat, erzielt mit Plus-Size-Kundschaft einen Anteil von 60 bis 70 % seines E-Commerce-Umsatzes. Das beweist, dass es einen Markt für vielfältige Größen gibt – wenn die Marken bereit sind, ihn zu bedienen.
Die Modewelt muss endlich aufwachen und erkennen, dass Inklusivität mehr ist als ein kurzlebiger Trend. Es ist eine Notwendigkeit, um den Bedürfnissen der Konsumenten gerecht zu werden und eine nachhaltige Zukunft zu gestalten. Sonst bleibt die Laufsteg-Inklusivität ein teurer Witz.
