Verlassene orte erzählen: ein fotograf fängt erinnerungen ein
Was bleibt von den Orten, die wir einst bewohnten? Und wie prägen sie uns und unser Gedächtnis? Devin Oktar Yalkin nähert sich diesen beunruhigenden Fragen in seinem neuen Werk „Alone Together (One Last Trip Around the Garden)“ mit traumähnlich zarten Bildern. Das Buch, erschienen im renommierten Verlag Zone, ist eine Meditation über Verlust, Erinnerung und die stille Kraft von Räumen.
Ein haus als spiegel der seele
Yalkins Arbeit konzentriert sich auf das Familienhaus in Brigantine, New Jersey. Es ist eine Sammlung von Schwarz-Weiß-Fotografien, die nicht einfach nur Innenräume zeigen, sondern das Echo eines gelebten Lebens. Die Bilder sind nicht sentimental-klischeehaft, sondern fangen eine subtile Melancholie ein, die durchzogen ist von Momenten der Zartheit und stillen Reflexion. Es ist, als würde man in eine vergangene Zeit hineingezogen werden, in einen Tanz der Kontemplation.
Was fasziniert am meisten? Yalkins Fähigkeit, das Wesentliche einzufangen. Er untersucht die Spuren, die wir hinterlassen – nicht in greifbarer Form, sondern als Atmosphäre, als Gefühl. Der Garten, einst von den Eltern des Fotografen über fast fünfzig Jahre hinweg gepflegt, wird zum zentralen Motiv. Er ist nicht nur ein physischer Ort, sondern eine Metapher für die Liebe, die Geduld und die Vergänglichkeit des Lebens.
„One Last Trip Around the Garden“, der Titel des Buches, leitet sich von einem erschütternden Moment ab: Nachdem der Vater verstorben war, bat die Mutter die Bestatter, ihn ein letztes Mal durch den Garten zu tragen. Ein instinktiver, fast zeremonieller Akt der Liebe und des Abschieds. Yalkin fotografierte diesen Moment, obwohl er ihn letztendlich aus dem Buch ließ – er war zu unmittelbar, zu roh. Doch dieser Akt prägt die gesamte Arbeit.

Schwarz-weiß als ehrlichste sprache
Bei der Frage nach seiner Entscheidung für Schwarz-Weiß antwortet Yalkin: „Schwarz-Weiß fühlt sich für mich wie die ehrlichste Art zu sehen an.“ Er habe schon 2006 mit der Fotografie begonnen und sich früh zum Reduzieren statt zum Hinzufügen entschieden. Farbe sei verführerisch, lenke aber ab. Das Weglassen ermögliche es ihm, sich auf Licht, Gestik und die emotionale Last eines Moments zu konzentrieren. Der Prozess der Entwicklung in der Dunkelkammer habe diese Verbindung vertieft, das langsame Auftauchen des Bildes wirke wie die Formung von Erinnerungen.
Yalkin spricht von einem Prozess, der sich langsam entfaltete, über Jahre hinweg, und der eine gewisse Distanz zur Arbeit erforderte. Ursprünglich entstanden die Aufnahmen während der Pandemie, doch er erkannte, dass es nicht um diesen Zeitraum ging, sondern um die emotionale Struktur des Hauses selbst – ein Spiegelbild seiner Eltern, ihrer Schöpfungen und wie dieser Ort ihr Leben prägte. Die Bearbeitung war ein Dialog mit Ali, der die Abfolge verfeinerte und Bilder entfernte, die zu beschreibend waren.
Letztendlich ist „Alone Together (One Last Trip Around the Garden)“ mehr als nur ein Fotobuch. Es ist eine tiefgründige Auseinandersetzung mit dem Zuhause als physischer Struktur und emotionalem Zustand – ein stilles Mahnmal dafür, dass die Orte, die wir bewohnen, uns ebenso formen, wie wir sie.
