Mode als kunst – andy warhol hat’s schon vorhergesagt

Die Metropolitane Kunstsammlung New York krempelt die Museenwelt auf: Ab Mai wird der langweilige, unterirdische Keller des Museums endgültig den Staub der Geschichte an sich. Stattdessen wird Mode im Zentrum stehen – und das mit einer Präzision, die weit über den bloßen Hype hinausgeht.

Ein blick über den laufsteg: mode als spiegel der gesellschaft

Andrew Bolton, Kurator des Costume Instituts, definiert Mode als ‘das einzige Kunsthandwerk, das unser gelebtes Leben widerspiegelt’. Eine provokante Aussage, die die lange Debatte zwischen Kunst und Mode neu entfacht. Ist Mode wirklich mehr Kunst als Kunst? Die Antwort scheint nahe.

Die neue Ausstellung ‘Costume Art’ wird das gesamte Museum umgestalten. Der ehemalige Geschenkeladen, flankiert von den prachtvollen Ägypten- und griechisch-römischen Galerien, wird zur Heimat des Costume Instituts und seiner Condé M. Nast Galerien. Hier werden nicht nur Kleidungsstücke und Kunstwerke aus den 19 Sammlungsbereichen präsentiert, sondern vor allem die Geschichten, die sie erzählen.

Max Hollein, CEO der Met, betont, dass das Costume Institut ein fester Bestandteil der Museumsidentität ist. Doch die neuen Räumlichkeiten sind mehr als nur eine Erweiterung – sie sind eine Revolution. Die Ausstellung ist kein einfaches ‘Kleiderhänge’, sondern eine argumentative Auseinandersetzung, eine ‘Debatte’, wie Künstler wie Maurizio Cattelan und Rachel Feinstein es treffend beschreiben.

Von handwerkskunst zur erzählung

Von handwerkskunst zur erzählung

Die Transformation ist bemerkenswert: Fashion wurde lange Zeit als Handwerkskunst betrachtet, nun wird sie als Erzählung verstanden. Designer wie Michael Kors und Tory Burch sehen in der Mode ein vitales kreatives Ausdrucksmittel, das Kultur, Politik und Kunst miteinander verbindet. Die Met hat die Augen für diese Verbindung geöffnet – und das vor 30 Jahren.

Die Architektur der neuen Räume, entworfen von Peterson Rich Office, ist ein Meisterwerk für sich. Die steinernen Böden, die gewölbten Decken und das venezianische Stuck erinnern an die Pracht der griechischen und römischen Galerien. Es ist, als ob die neuen Räume eine eigene Stadt bilden – eine ‘Stadt’, die sich nahtlos in das Museum integriert. Der Fokus liegt auf Flexibilität und Licht – und auf einer Atmosphäre der Beständigkeit, die gleichzeitig den Wandel symbolisiert.

Dasha Zhukova, Kunstsammlerin und Trägerin der Met, erklärt: “Fashion ist nicht nur darüber, was wir tragen, sondern darüber, was Kleidung über uns aussagt. Es ist ein Spiegel unserer Identität.” Die neue Ausstellung ermutigt den Betrachter, Verbindungen jenseits der Museumswände herzustellen – und sich selbst neu zu entdecken.

Ein plädoyer für das ungezwungene

Ein plädoyer für das ungezwungene

Auch die Künstlerinnen Anna Weyant und Tschabalala Self betonen die Bedeutung der Verbindung zwischen Kunst und Mode. Weyant sieht in der Mode eine ‘politische Form’, während Self die Trennung zwischen Kunst und Mode als ‘falsche Dichotomie’ betrachtet. Beide sind sich einig: Beide Disziplinen sind Mittel des Ausdrucks – und Vehikel, um die Sorgen und Wünsche unserer Zeit zu vermitteln.

Paul Chan, der die ‘Exzellenz’ in Kostümen mit der ‘Exzellenz’ in Gemälden gleichsetzt, schließt sich an. Die Met’s neue Galerie ist somit eine kraftvolle Fortsetzung ihrer Tradition – ein Beweis dafür, dass Mode ein vitales kreatives Ausdrucksmittel ist, das Kultur und Geschichte prägt. Ein Blick, der die Welt ein Stückchen anders sehen lässt.