Vom englischlehrer zum sextierarzt: ein us-amerikaner über sein leben in tokio
Tokio, Japan – Ein Leben voller Wendungen: AC, ein 45-jähriger Amerikaner, kam in den frühen 2000er Jahren nach Japan, um Englisch zu unterrichten. Was er nicht ahnte: Zwei Jahrzehnte später sollte er in einer völlig anderen Branche Fuß fassen – als Masseur für Frauen und gelegentlich sogar als Pornodarsteller. Seine Geschichte, die er dem Magazin „Esquire“ offenbarte, wirft Fragen nach gesellschaftlichen Normen und der Suche nach Erfüllung auf.
Ein unerwarteter karriereweg
AC beschreibt sich selbst als stets sexuell interessiert. Die Suche nach Partnern, die diese Interessen teilten, war ihm wichtig. Eine Karriere in der Sexindustrie kam ihm jedoch zunächst nicht in den Sinn. Ein Zufall, ein Jobangebot, das ihm ein Freund vorsetzte, veränderte alles. „Do you want to work in porn?“, fragte sein Freund, und so begann ACs Abenteuer hinter den Kulissen eines Pornostudios, das sich auf Szenen mit japanischen Frauen und schwarzen Männern spezialisierte. Dort begann er seine Karriere, zunächst unsichtbar, dann zunehmend aktiver, bis er schließlich auch selbst vor der Kamera stand.

Massage, euphemismen und ein ungewöhnliches geschäftsmodell
Ein weiteres Kapitel in ACs Leben begann mit der Suche nach einer neuen Herausforderung. Er entdeckte eine Anzeige für einen Masseur für Frauen. In Japan, so stellte er fest, ist dieser Begriff oft mit Sexarbeit verbunden. „Ich dachte, das kann doch nicht wahr sein“, gesteht er. Doch die Realität bestätigte seine Vermutung. Er begann zu arbeiten, ohne jegliche Schulung, lediglich mit einer kurzen Einweisung in die Verwendung eines vom Betrieb gestellten Vibrators. Ein Stundenpreis von 100 Dollar – ein ungewöhnlicher Preis, aber offenbar marktkonform.
Die Gesetze in Japan sind hier verschwommen: Sexarbeit ist legal, solange kein Penetration stattfindet. AC nutzt diese Grauzone und bietet diskret Dienstleistungen an, die über eine reine Massage hinausgehen. Der Großteil seiner Klientinnen, überwiegend japanische Frauen, sind neugierig auf den Kontakt mit Ausländern und schwarzen Männern. Die Altersspanne reicht von Anfang 20 bis über 70 Jahre.

Ein spiegelbild gesellschaftlicher bedürfnisse
Was treibt diese Frauen an, die bereit sind, für intime Dienstleistungen zu bezahlen? AC beobachtet: Viele sind in sexlosen Beziehungen mit Männern, die unter Erektionsproblemen leiden. In einigen Fällen kennen sogar die Ehemänner die Situation und unterstützen sie finanziell. Ein Fall besonders beeindruckte ihn: Eine 70-jährige Klientin, die ihre Sexualität neu entdeckt und sich dabei wohlfühlt. „Das finde ich wirklich respektabel“, sagt AC.
Er berichtet auch von Klientinnen, die sich vor dem Eingehen einer Beziehung sexuell ausprobieren wollen oder einfach keine Zeit und Energie für eine Partnerschaft haben. Manchmal bringt er Klientinnen sogar in Luxushotels, darunter einmal in einem Disneyland Hotel - „Ich hoffe, es war für sie der glücklichste Ort auf Erden.“
Ein job mit verantwortung
AC sieht seinen Job nicht nur als Mittel zum Zweck, sondern auch als eine Möglichkeit, Frauen zu helfen, ihre Sexualität zu erforschen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken. „Wenn ich dazu beitragen kann, dass sich eine Frau schön und begehrt fühlt, bin ich glücklich“, sagt er. Er betont, dass er stets auf Schutz achtet, wenn es um Penetration geht, bei oralen Praktiken jedoch meist darauf verzichtet. Die Nachfrage nach Oralverkehr ist in Japan, so seine Erfahrung, sehr hoch.
ACs Geschichte ist ein faszinierender Einblick in eine wenig bekannte Welt und wirft Fragen nach den Bedürfnissen und Wünschen von Frauen in der modernen Gesellschaft auf. Seine Sichtweise, die er offen und ehrlich teilt, ist provokant und regt zum Nachdenken an.
