Horror-plots im abwärtsstrudel: warum gruselfilme zu kompliziert werden

Erinnern Sie sich an 1996? „Scream“ diktierte die Regeln für das Horror-Überleben: Keine Sex, kein Alkohol, keine Drogen – und unter keinen Umständen den Satz „Ich bin gleich wieder da.“ Denn „Sie kommen nicht wieder.“ Zwanzig Jahre später scheinen diese einfachen Regeln in den komplexen Verwicklungen aktueller Horrorfilme zu versinken.

Komplexität als albtraum: wann horror zu viel wird

Während man einst mit den simplen Mechanismen von Monstern wie Ghostface oder Freddy Krueger zurechtkam, sind Netflix-Thrillers und A24-Horrorfilme oft zu verschachtelt. Die neueste Netflix-Horrorserie „Something Very Bad Is Going to Happen“ ist ein extremes Beispiel: Die Protagonistin stirbt, wenn sie nicht bis Sonnenuntergang heiratet. Aber wie weiß sie, wer ihr Seelenverwandter ist? Die Metapher ist minimal, die Auflösung – spoiler-alarm – nonexistent. Die Serie, produziert von den Duffer Brothers, den Köpfen hinter „Stranger Things“, setzt den Trend fort. Schon in der fünften und letzten Staffel ihrer erfolgreichen Serie erklärten die Brüder komplexe Handlungsstränge mit Alltagsgegenständen. Eine Taktik, die Netflix offenbar belohnt, da sie Zuschauer dazu bringt, die Handlung auf ihren Smartphones nachzuvollziehen.

Auch andere Produktionen geraten in die Falle. HBO Max’ „IT: Willkommen in Derry“ erweiterte die Hintergrundgeschichte von Pennywise um eine Zeitreise-Elemente, die mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet. Der Clown scheint gleichzeitig Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu erleben. Eine unnötige Komplikation, wenn man bedenkt, dass der Horror bereits in der Figur selbst liegt.

Doch es gibt Hoffnung. Indie-Horrorfilme wie „Barbarian“ oder „Weapons“ bewiesen, dass weniger oft mehr ist. „Barbarian“ spielte mit der einfachen Prämisse eines Monsters im Keller eines Airbnb, „Weapons“ entpuppte sich als Geschichte über eine Hexe. „Nope“ nutzte das Bild außerirdischer Aliens mit der gleichen Wirkung wie die in „Signs“. Ari Asters „Hereditary“ baute den Horror subtil auf, ohne unnötige Erklärungen.

Die Zuschauer brauchen keine endlosen Erklärungen. Sie brauchen Spannung, eine gute Gruselgeschichte. Das ist die Lektion, die der Markt gerade so brüllend vermittelt. Denn am Ende zählt nicht, wie kompliziert die Regeln sind, sondern wie gut man sie einhält – oder eben nicht.