Schlaf wie ein astronaut: so untermannern die raumfahrer ihre nächte

Die Vorstellung vom Astronauten-Schlaf ist idyllisch: Schwerelos schweben, die Erde in atemberaubenden Farben über den Raumschifffenstern auf- und untergehen, absolute Stille. Doch die Realität ist alles andere als romantisch – und überraschend.

Ein umkehr-schlaf, der den körper fordert

Aboard dem Orion-Raumschiff der Artemis II-Mission herrscht eine ungewöhnliche Schlafsituation. Die Crew muss sich upside down in speziell angefertigten Schlafsäcken inmitten von Technik und Geräten niederlassen. Commander Reid Wiseman beschreibt es treffend: "Christina hat die Nacht mit dem Kopf nach unten in der Mitte des Raumschiffs verbracht, wie eine mit Seilen aufgehängte Fledermaus". Jeremy, Victor und auch er selbst mussten sich an ungewohnte Positionen gewöhnen – Jeremy lag ausgestreckt auf dem Sitz, er selbst schlief unter den Anzeigen, um im Notfall schnell reagieren zu können.

Diese Praxis reicht bis zum ursprünglichen Apollo-Programm zurück. Die Crew wird jeden Morgen von der Bodenkontrolle mit einem Song aus einer eigens zusammengestellten Playlist geweckt – und dieser wahlweise ist Chappell Roans "Pink Pony Club". Nur das Stück wurde kurz vor dem Refrain abgeschnitten, was bei der Crew für leichte Unmut sorgte.

Die wissenschaft hinter dem ungewöhnlichen schlaf

Die wissenschaft hinter dem ungewöhnlichen schlaf

Trotz der ungewohnten Gegebenheiten haben sich die Astronauten an ihren ungewöhnlichen Schlaf gewöhnt. Christina Koch erklärt: "Wir schlafen hier oben wirklich gut. Für mich ist das Schlafen im Weltraum einer der bequemsten Schlafarten – tief und erholsam". Die Vorteile sind wissenschaftlich belegt: In der Schwerelosigkeit dehnt sich die Wirbelsäule, was den Rücken entlastet und die Durchblutung fördert – was zu tieferem Schlaf führt. Es ist ein cleverer Trick, um das oft problematische Einschlafen zu fördern.

Experten warnen vor schlafentzug

Experten warnen vor schlafentzug

Doch auch unter den Sternen gibt es Probleme mit dem Schlaf. Studien zeigen, dass die Astronauten durchschnittlich nur 5,96 Stunden schlafen, obwohl sie es sich auf 7,35 Stunden einrichten. Fast 80 Prozent der Crewmitglieder nehmen Schlafmittel ein. Die Herausforderungen sind vielfältig: Der zirkadiane Rhythmus wird gestört durch bis zu 16 Sonnenaufgänge und -untergänge pro Tag, und das künstliche Licht kann desorientierend wirken. Auch die fehlende Schwerkraft beeinflusst die natürliche Temperaturregulierung, die für tiefen Schlaf unerlässlich ist. Dr. Lara Aillon-Sohl, Schlafexpertin, betont: "Während das Anheben der Gliedmaßen, um Gewichtslosigkeit zu simulieren, den unteren Rücken entlasten und die Atemwege erweitern kann, ist für einen Menschen auf der Erde die innere Uhr viel wichtiger als die physische Höhe".

So lässt sich ein besserer schlaf erlangen

Die Raumfahrer haben gelernt, sich auf ihren Körper einzustellen. Sie nutzen spezielle, kompakte Schlafsäcke mit harten Matratzen. Das Einwickeln in die Schlafsäcke erfordert Übung, aber nach einiger Zeit finden sie ihre persönliche Wohlfühloase. „Um Ihren Schlaf optimal zu nutzen, müssen Sie Ihr Verhalten so trainieren, dass das Schlafzimmer ein kühler, dunkler und ruhiger Rückzugsort wird – nicht ein Ort zum Scrollen”, erklärt Dr. Aillon-Sohl. Letztendlich ist die beste Schlafposition diejenige, in der Sie ruhig liegen. Es ist eine disziplinierte Schlafroutine – nicht nur ein Kissen unter den Knien – die einen erholsamen Schlaf garantiert. In der Schwerelosigkeit gibt es keinen „oben“ oder „unten“ – die Astronauten können sich in jeder Position entspannen, die ihnen angenehm ist, sei es wie eine Fledermaus oder anders.

Fazit: ein blick auf die erde

Die Erkenntnisse der Raumfahrer lassen sich auch auf die Erde übertragen. Achten Sie auf Ihre bevorzugte Schlafposition, achten Sie auf eine gute Schlafhygiene und halten Sie Ihren zirkadianen Rhythmus ein. Ein guter Schlaf – egal ob unter oder über den Sternen – ist der Schlüssel zu einem gesunden Leben. Die Realität zeigt: Auch im Weltraum gilt: Regelmäßigkeit ist der Schlüssel zum erholsamen Schlafen. Ein wissenschaftlich fundierter Ansatz kann uns allen helfen, unsere Nachtruhe zu verbessern – und vielleicht sogar ein bisschen wie ein Astronaut zu schlafen.