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Silicon valley kleidet sich um: tech-konzerne erobern die mode

Wer einst in SoHo nach einem schicken Quarter-Zip-Pullover suchte, fand sich zwischen Stüssy-Schlangen und Aimé Leon Dore-Fans wieder. Doch die Zeiten ändern sich. Jetzt gibt es eine neue, unerwartete Größe auf dem Modefeld: Tech-Konzerne, die mit eigenen Merchandise-Linien in den Markt drängen – und das zu Preisen, die selbst erfahrene Modekenner überraschen.

Der aufstieg des tech-merchandise

Es begann mit Gratis-T-Shirts und Hoodies auf Konferenzen, die meist im Fitnessstudio oder im Schlafzimmer landeten. Doch OpenAI, Figma, Palantir, Anthropic und Stripe haben erkannt, dass Merchandise mehr sein kann als nur Werbegeschenke. Sie wollen einen direkten Draht zu den coolen Ecken der Popkultur knüpfen und ihren Markenimage aufwerten. Die neuen Kollektionen setzen auf schlichte Designs, minimalistische Logos und hochwertige Baumwolle – ein Look, der nahtlos in die Welt des modernen Herrenmodelsystems passt. Ein schwarzer Fleece-Pullover mit dem Wort „Research“ gestickt kostet stolze 175 Euro.

Nostalgie und forschung: die neue markenstrategie

Nostalgie und forschung: die neue markenstrategie

Die Sprache, die diese Unternehmen verwenden, ist ebenso durchdacht wie die Kleidung selbst. Bei OpenAI heißt es: „Look effortlessly fitted while you lock in or cozy up.“ Es geht um ein Gefühl von müheloser Coolness, das mit der Arbeit an bahnbrechenden Technologien verbunden werden soll. Der Supply Co.-Shop, die Plattform für OpenAI-Merchandise, beschreibt die Entwicklung der Produkte als „materiale Verkörperung der Firmenkultur“. Was einst als simples Merchandise begann, hat sich zu einer Ausdrucksform der Unternehmenskultur entwickelt.

Von wall street bis sand hill road: eine lange tradition

Von wall street bis sand hill road: eine lange tradition

Dieser Trend ist jedoch nicht neu. Bereits in den 1980er und 90er Jahren präsentierten Finanzunternehmen wie Goldman Sachs ihren Mitarbeitern hochwertige Lifestyle-Produkte – von L.L.Bean-Totes bis hin zu Accessoires für den Country Club. Auch in der Tech-Szene gab es schon Merchandise, allerdings oft funktionaler oder selbstironischer. Erst jetzt, mit dem Aufstieg von Unternehmen wie OpenAI und Palantir, wird das Merchandise zu einem bewussten Stilmittel, um Geschmack und kulturelle Relevanz zu demonstrieren.

Der einfluss von streetwear und designern

Experten wie Louis Cheslaw sehen Parallelen zum frühen Outdoor Voices-Look und betonen, wie die Ästhetik von Streetwear-Designern wie Virgil Abloh die neue Merchandise-Welle beeinflusst hat. “Die AI-Firmen haben Mode entdeckt und denken, das sei, wie es aussehen sollte. Es ist einfach zu verstehen und einfach auszuführen”, so Chris Black, Co-Host von How Long Gone.

Mehr als nur kleidung: eine frage der ideologie

Letztendlich geht es bei diesem Trend um mehr als nur um Kleidung. Es geht um die Projektion einer Weltanschauung, um das Gefühl, Teil einer exklusiven Gemeinschaft zu sein. Tony Wang, Gründer von Office of Applied Strategy, weist darauf hin, dass Unternehmen seit jeher Objekte wie Jacken, Taschen und Schreibtischaccessoires nutzen, um ihre Werte zu vermitteln. Palantir, bekannt für seine umstrittene Rolle in der Überwachung und militärischen Einsätze, hat sogar eine Tenniskollektion herausgebracht – ein Versuch, sich mit einem positiveren Image zu verbinden.

Die frage nach der authentizität

Ob diese neue Ära des Tech-Merchandise tatsächlich Bestand hat, bleibt abzuwarten. Wie der eBay-Verkäufer treffend bemerkt, handelt es sich um „geek chic“ – die Vintage-Rock-Shirts von morgen. Aber wie Tony Wang betont, braucht es dafür mehr als nur ein gutes Design: “Es braucht einen authentischen Markenausdruck und eine echte Fankultur.”