Männlich, gewalt, stigma: die vergessenen opfer häuslicher nötigung
Ein Mann, der Opfer häuslicher Gewalt geworden ist, wird selten überhaupt wahrgenommen. Studien zeigen, dass etwa ein Viertel der Opfer häuslicher Gewalt Männer sind – und fast zehn Prozent der Männer in den USA werden häuslich misshandelt oder verfolgt. Warum werden diese Männer ignoriert?
Das problem der sichtbarkeit: stereotypen, scham und fehlende hilfe
Es gibt mehrere Gründe für diese Missachtung. Dazu gehören Geschlechterstereotypen, die Männer als zu stolz darstellen, um Opfer zu werden, die Scham, die von männlichen Opfern empfunden wird, die sich vor dem Äußeren scheuen, und ein Mangel an Ressourcen, die speziell auf männliche Opfer zugeschnitten sind. Der Fall von Cody, einem ehemaligen US-Soldaten aus Colorado, verdeutlicht diese Problematik eindrücklich.

Cody’s geschichte: ein mann, der sich selbst als täter sah
Cody, 47, berichtete von körperlicher und verbaler Gewalt durch zwei Partnerinnen. Doch anstatt sich Hilfe zu suchen, interpretierte er die Situation als seine eigene Schuld. Er glaubte, dass er für die Gewalt verantwortlich sei, die er erfuhr, und ging davon aus, dass eine Frau, die ihn schlug, ihn deswegen verletztes hätte. „Ich fragte mich, was ich falsch gemacht hatte“, so Cody. „Es war nicht ich. Ich wollte nicht so sein.“

Die auswirkungen der stigmatisierung
Cody’s Geschichte zeigt, wie die gesellschaftliche Wahrnehmung von häuslicher Gewalt Männern schadet. Viele Menschen erkennen die Gewalt gegen Männer nicht an oder wissen nicht, wie man damit umgeht. Die Frage „Was, wenn eine Frau ihren Freund schlägt?“, wird sofort mit einer Lösung beantwortet: Der Mann muss sich ändern. Bei Männern hingegen herrscht oft die Annahme, dass Männer, die von Frauen geschlagen werden, es verdient haben. Diese Denkweise verhindert, dass Männer Hilfe suchen und sich ihrer Situation bewusst werden.
Ein bruch mit der tradition: die suche nach einem ausweg
Der Wendepunkt kam, als Cody in einer hitzigen Auseinandersetzung mit seiner Partnerin durch einen Überfall schwer verletzt wurde. Die Täter verübten eine Falschaussage, um sie zu schaden, und ließen Cody mit seinem Handy zurück. Erst durch den traumatischen Vorfall erkannte Cody, dass er selbst Opfer war und sich nicht für die Gewalt verantwortlich fühlen musste. Er begann, sich therapeutisch zu unterstützen und fand Unterstützung in einer Community von Männern, die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten.
Die notwendigkeit einer veränderung
Es ist an der Zeit, die Art und Weise, wie wir über häusliche Gewalt sprechen und sie behandeln, zu verändern. Wir müssen Männern helfen, ihre Erfahrungen zu erkennen und zu verarbeiten. Die Ressourcen, die für Frauen zur Verfügung stehen, müssen auch für Männer zugänglich gemacht werden. Es ist Zeit, die Stigmatisierung zu überwinden und Männern Mut zu machen, sich zu melden. Denn nur so können wir gemeinsam eine Kultur schaffen, in der häusliche Gewalt nicht länger toleriert wird – egal, wer das Opfer ist.