Kouscous und konflikt: wie frauen in sizilien die mafia besiegen

In einer kleinen Küche in Salemi, Sizilien, kulinarische Revolution: Mehr als zwei Dutzend Frauen aus Nordafrika und Sizilien zaubern gemeinsam Kouscous. Ein Projekt, das mehr ist als nur Kochkunst – es ist ein Kampf gegen die Mafia und ein Weg zur Integration.

Ein hauch von tunis, ein hauch von palermo

Ein hauch von tunis, ein hauch von palermo

Die Szenen sind vertraut: Hände, die Kouscous in einen großen Topf schöpfen, Potatoes und Karotten, die geschält werden, während das Lachen und die Gespräche in Arabisch und Italienisch in der Luft liegen. Salha Zaouali, eine junge Frau mit strahlend blauen Augen, erklärt: „Es ist, als wäre eine Hochzeit in Tunesien! Dort machen die Frauen immer zusammen Kouscous.“

Das ‘Progetto Donna’ – ein Frauenprojekt – feiert in diesem Jahr sein zehntes Jubiläum. Es begann vor Jahrzehnten, als tunesische Männer als Fischer nach Sizilien kamen, oft für Monate auf See verschwanden. Ihre Familien blieben in Tunesien, doch immer mehr Frauen folgten ihren Männern nach Sizilien. Heute sind rund zwanzig Frauen aktiv.

„Wir haben über hundert Frauen hier erlebt“, erzählt Giusy Agueli, die die Frauen unterstützt. „Sie haben hier ihre Fähigkeiten erworben und diese nun in ihrem Alltag eingesetzt. Es geht darum, dass sie sich selbst ihre Kraft zurückgewinnen.“

Die Geschichte des Progetto Donna ist eng mit der Geschichte Siziliens verbunden. Die Insel war einst ein wichtiger Anlaufpunkt für tunesische Arbeiter, die hier nach besseren Lebensbedingungen suchten. Doch die Mafia nutzte diese Situation aus, indem sie die Männer ausbeutete und die Familien in Armut stürzte. Die Frauen, die kamen, waren oft isoliert und ohne Perspektiven. Das Projekt bietet ihnen jetzt eine Möglichkeit, sich zu integrieren und ein neues Leben aufzubauen.

„Am Anfang mussten die Frauen die Erlaubnis ihrer Ehemänner einholen, um am Projekt teilzunehmen“, erinnert sich Agueli. „Jetzt ist das anders. Die Frauen, die hier länger sind, lehren die Neuen, dass sie das selbst entscheiden können.“ Amna Said, Anna Maria Bongiorno und Salha Zaouali sind nur einige der Frauen, die sich hier zu Hause fühlen. Ihre Geschichten sind Zeugen der Widerstandsfähigkeit und des Mutes der Frauen, die sich gegen die Widrigkeiten der Einwanderung stellen.

Der Umstand, dass das Land einst von der Mafia kontrolliert wurde, ist ein düsterer Hintergrund für diese Geschichte. Die Stiftung ‘San Vito Onlus’ nutzt heute die beschlagnahmten Immobilien für soziale Zwecke. „Wenn man die Mafia fängt, muss man hinter die Geldflüsse blicken“, erklärt Vito Puccio, der Präsident der Stiftung. „Dieses Gebäude wurde mit Mafia-Geld finanziert. Die Regierung hat es beschlagnahmt.“ Der Wiederaufbau der Immobilie war ein langer und schwieriger Prozess, der viel Zeit und Geld kostete.

Heute ist Al Ciliegio ein Agriturismo, in dem traditionelle sizilianische Gerichte mit Produkten aus der Region zubereitet werden. Die Frauen haben ein kleines Gewächshaus angelegt, in dem Kräuter und Gemüse angebaut werden. Die Küche ist ein Ort der Begegnung und des Austauschs, wo alte und neue Rezepte kombiniert werden. Die Atmosphäre ist geprägt von Wärme, Gastfreundschaft und gegenseitiger Unterstützung. „Wir sind wie eine große Familie“, sagt Salha Zaouali stolz. Die Frauen verkaufen ihre Köstlichkeiten in einem kleinen Restaurant, das von der Gemeinschaft betrieben wird. Ein Teil des Gewinns wird in soziale Projekte investiert.

Dieses Projekt ist mehr als nur ein kulinarischer Genuss – es ist ein Symbol für Integration, Hoffnung und Widerstandsfähigkeit. Es zeigt, wie gemeinsames Kochen und Essen Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammenbringen und ihnen helfen können, ein neues Leben zu beginnen. Ein Beweis dafür, dass auch in den dunkelsten Zeiten der Geschichte die Kraft der Frauen und die Schönheit der Kultur den Weg nach vorne weisen können. Die Frauen von Al Ciliegio sind ein leuchtendes Beispiel für die Möglichkeiten, die entstehen, wenn man sich gemeinsam den Herausforderungen stellt und die Vielfalt als Bereicherung sieht.