Washington am rande des wahnsinns: ein prunkbau bedroht die republik

Ein architektonisches Monster erhebt sich über den Washingtoner Himmel – und es ist nicht etwa ein Denkmal für die Freiheit, sondern das petitorische Projekt eines Mannes, der die Stadt, und vielleicht auch das Land, nach seinem Bild formen will. Experten warnen vor einer Katastrophe, während die Baukräne unaufhaltsam ihre Arbeit verrichten.

Der ballsaal als scharnier zweier regierungen

Der ballsaal als scharnier zweier regierungen

Die Pläne für den neuen Ballsaal, der dem Weißen Haus angebaut werden soll, sind mehr als nur eine Erweiterung des Präsidentenresidenz – sie sind eine Zurschaustellung von Macht, ein monumentaler Egotrip. Architekten und Stadtplaner schlagen Alarm: Das Bauvorhaben, das weit hinter dem Zeitplan hinterherhinkt und offenbar ohne die üblichen Genehmigungsprozesse durchgepeitscht wird, ist ein Affront gegen die Stadt und ihre Geschichte. Thomas Gallas, ehemaliges Mitglied des Planungsausschusses, wundert sich über den Zeitplan: “Ein Projekt dieser Größenordnung benötigt normalerweise 18 Monate bis zwei Jahre von der ersten Idee bis zum fertigen Bauplan. Hier wird alles auf Eile getrimmt.”

Die Dimensionen sind schlichtweg absurd. Der Ballsaal, der sich zwischen zwei Regierungszweigen erhebt, ist nicht nur größer als das Weiße Haus selbst, sondern übertrifft es im Volumen sogar um ein Vielfaches. Die Ansicht von Süden zeigt ein Bauwerk, das die gesamte Silhouette des Weißen Hauses dominiert, mit einem Portikus, der jegliche Symmetrie zerstört. Und dann sind da noch die Details: Eine überdimensionale Küche im Untergeschoss, eine Suite für die First Lady, und schließlich die “klassige” Wand mit Mauerwerksnischen, die Fenster vortäuscht – dahinter befinden sich Toiletten. Ein architektonischer Tiefpunkt.

Lo que nadie cuenta es die Parallele zu Grover Norquists “Reagan Legacy Project”, das in jeder Grafschaft des Landes ein Denkmal für Ronald Reagan errichten wollte. Das Ergebnis waren der Reagan National Airport, das Reagan Building – und der Versuch, unzählige Straßen, Berge und sogar einen Militärstützpunkt mit dem Namen des ehemaligen Präsidenten zu versehen. Reagan ließ sich zumindest von anderen feiern. Dieser Mann will sich selbst krönen, in einer endlosen Schleife des Egos.

Die Beschwerden erreichen die Planungskommission in schwindelerregender Zahl – über 30.000 Einwände gegen dieses Bauprojekt. Die Frage ist nicht, ob dieser Bau die Stadt verschandeln wird, sondern wie viel Schaden er anrichten wird, bevor er gestoppt wird. Die Entscheidung ist gefallen: El Caudillo del Mar-a-Lago wird seine architektonische Spur in Washington hinterlassen, eine lebendige Feier zweier verheerender Präsidentschaften.

Wie viele Vorschlagshämmer werden benötigt, um dieses Denkmal der Selbstverliebtheit im Januar 2029 wieder zu Fall zu bringen? Die Antwort wird die Zukunft der Stadt und des politischen Diskurses bestimmen.